Das kleine Gerät, das der Hüne Mike Kershaw in seinen Händen hält, sieht aus wie ein gewöhnliches Smartphone. Doch es ist einzigartig. «Das Blackphone ist das erste sichere Smartphone. Es gibt den Nutzern ihre Privatsphäre zurück», erklärt Kershaw am Mobile World Congresse in Barcelona, der grössten Branchenmesse.

Das Blackphone ist das Kommunikationsgerät für all jene, die von Snowdens Enthüllungen aufgeschreckt wurden – und die telefonieren und mailen wollen, ohne dass Geheimdienste und Hacker zuhören. Auch das anonyme Surfen im Internet ist standardmässig eingestellt. Man muss nicht besonders versiert sein im Umgang mit Technik, um es nutzen zu können. «Jeder, der ein herkömmliches Smartphone bedienen kann, kommt auch mit dem Blackphone zurecht», versichert Kershaw.

Als Betriebssystem kommt eine modifizierte Version von Googles Android zum Einsatz, das Privat OS. Vorinstalliert sind verschiedene Applikationen, die einem ermöglichen, verschlüsselte Textnachrichten auszutauschen, verschlüsselt zu telefonieren und Daten in einer verschlüsselten Cloud abzuspeichern.

Entstanden ist das Gerät aus einer Zusammenarbeit des spanischen Geräteherstellers Geekphone und der amerikanischen Firma Silent Circle, die Verschlüsselungs-Software programmiert. Von ihrem Gründer Phil Zimmer stammt auch das Verschlüsselungs-Programm Pretty Good Privacy (PGP), dem Edward Snowden seine sensiblen Daten anvertraute. Als Firmenhauptsitz hat Blackphone Genf ausgewählt. «In der Schweiz gelten restriktive Datenschutzgesetze», erklärt Kershaw die Wahl. Seiner Regierung traut der Amerikaner Kershaw diesbezüglich offenbar nicht.

Bei der verschlüsselten Kommunikation werden Daten, bevor sie das Smartphone verlassen, mit einem Algorithmus in eine unleserliche Zeichenkette umgewandelt – entziffern kann sie nur, wer den entsprechenden Schlüssel besitzt und so die Zeichen in eine leserliche Nachricht zurückverwandeln kann. Das heisst aber auch, dass ein Blackphone-Nutzer nur mit Menschen kommunizieren kann, die entweder auch ein solches Gerät besitzen oder aber die gebührenpflichtigen Silent-Circle-Applikationen auf ihrem Handy installiert haben.

Es zeigt sich: Privatsphäre kostet Geld. Denn anders als bei Facebook, Google und Co. bezahlt man hier nicht mit seinen Daten. Mittlerweile gibt es eine Reihe von neuen Start-ups, die auf Datensicherheit setzen statt auf Werbung. Einen verschlüsselten E-Mail-Account bietet etwa Posteo für einen Euro pro Monat an. Und die sichere Alternative für WhatsApp heisst Threema, kostet einmalig zwei Franken und kommt aus der Schweiz.

Um verschlüsselt zu kommunizieren, braucht man also nicht unbedingt ein Blackphone. Man kann sich auch die entsprechenden Dienste auf sein Gerät laden, über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor ins Internet einwählen und eine Suchmaschine wie DuckDuckGo verwenden, die keine Daten speichert. Doch dafür muss man sich besser mit der Technik auskennen als der durchschnittliche Smartphone-Nutzer. Auf dem Blackphone sind alle Services vorinstalliert.

Ausserdem bietet das Betriebssystem Privat OS eine Art Kontrollcenter für alle nicht verschlüsselten Applikationen. Hier sieht der Nutzer, auf welche Daten diese Apps zugreifen, und kann das unterbinden. «Das Telefon hindert niemanden daran, eine Game-App wie Angry Bird zu installieren», erklärt Kershaw, «aber es sagt einem, wenn die App auf das Adressbuch zugreift oder die Ortungsdaten herunterlädt.» Mit einem Klick untersagt man der App den Zugriff auf diese Daten, die sie eigentlich gar nichts «angehen». Früher oder später wird man aber Kompromisse eingehen müssen: Denn viele Apps funktionieren nur, wenn man ihnen gewisse Bewilligungen erteilt.

Den Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz bleiben nach den grossen NSA-Enthüllungen Zweifel. Hat man doch längst das Gefühl, dass sich professionelle Hacker immer irgendwie Zugriff auf ein Gerät verschaffen können. Wie sicher ist das Blackphone wirklich?

«Hundertprozentig kann man sich vor professionellen Angriffen nicht schützen», sagt der Schweizer Sicherheitsexperte Marc Ruef. Das Ziel sollte deshalb sein, solche Zugriffe so aufwendig wie möglich zu machen, sodass sie unattraktiv werden. «Das Blackphone ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung», meint der Experte. Auch der IT-Forensiker Guido Rudolphi findet, dass das Blackphone grundsätzlich ein guter Ansatz sei, der sich aber im Alltag erst noch bewähren müsse. Doch feststeht für ihn: «Sollte das Gerät bei den Nutzern auf Interesse stossen, dann dürfte auch die NSA einiges daransetzen, sich in irgendeiner Weise Zugang auf die Geräte zu verschaffen.»

Selbst Mike Kershaw kann die Frage, ob das Blackphone auch vor der NSA sicher sei, nicht einfach mit einem Ja beantworten. «Die Verschlüsselungssysteme sind sicher», betont er. Doch Viren von Hackern liessen sich auf viele verschiedene Weisen auf ein Gerät schleusen. «Wir geben den Nutzern die Möglichkeit, ihr Smartphone sauberzuhalten, sie müssen die Möglichkeiten aber mit der nötigen Sorgfalt nutzen.»

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