Herr Faber, Sie sind Börsenguru und machen keinen Hehl daraus, im Rotlichtmilieu zu verkehren. Sind Männer, die Sex kaufen, Loser?
Marc Faber: Jack Nicholson sagt: «Ich zahle nicht für Sex, sondern dafür, dass die Frau danach wieder verschwindet.»

Ein netter Spruch, aber die Mehrheit der Frauen arbeitet wahrscheinlich unter Zwang oder aufgrund von Armut als Prostituierte.
Prostitution ist eine gute Option. Gerade Frauen aus Osteuropa haben oftmals nur eine geringe Ausbildung. Im Heimatland müssten sie hart in einem Restaurant schuften, um halbwegs auf einen anständigen Lohn zu kommen. Anders in der Prostitution. Wenn eine Frau einigermassen gut aussieht, dann kann sie sehr gut mit wenig Arbeit verdienen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit den Zürcher Prostituierten. Merken Sie, ob eine Frau unter Zwang steht?
So viel Erfahrung habe ich nicht. Auffällig war, dass gerade am Sihlquai viele Mädchen einen Zuhälter hatten. Das muss aber nicht immer etwas Schlechtes sein. Nicht jeder Zuhälter knöpft einer Nutte alles Geld ab und nicht jeder ist ein Menschenhändler. Wo allerdings die Grenze zwischen fairem Verhältnis und Ausnützen verläuft, ist eine Grauzone.

Schweizer Politiker wollen dieser Grauzone den Riegel schieben. In einem Postulat fordern sie, dass ein Verbot der Prostitution geprüft wird. Was halten Sie davon?
Das ist totaler Unsinn. Prostitution und Glücksspiele sind die ältesten Gewerbe der Welt. Wenn man diese Dinge verbietet, dann breiten sie sich im Untergrund aus. Dabei ist es viel einfacher diese Geschäfte zu kontrollieren, wenn sie direkt vor der Haustür stattfinden. Deshalb bin ich gegen ein Verbot und dafür, dass Gesetze erlassen werden, um gegen Verbrechen und Korruption vorzugehen.

In Schweden zeigt ein Prostitutionsverbot Wirkung: Der Menschenhandel hat deutlich abgenommen. Hauptgrund dürfte das Umdenken in der Bevölkerung sein: Mit dem Kauf von Sex wird die Menschenwürde verletzt.
Aber hören Sie, ob ich Sie zu einem teuren Essen mit Kerzenlicht ausführe und dann mit Ihnen gehe, oder ob ich Sie erst an der Bahnhofstrasse eine Kette auslesen lassen würde und dann mit Ihnen gehe, ist auch käuflicher Sex.

Nicht alle Frauen kriegen Sie mit einer Kette oder Kerzenschein ins Bett.
Deshalb bin ich auch für die Prostitution, dann muss man Frauen nicht erst anlügen und ihnen etwas vorspielen.

Kann man Menschenhandel und Prostitution überhaupt trennen?
Natürlich. Die geschiedene Schweizer Hausfrau, die ihre Dienste anbietet, ist sicher kein Fall von Menschenhandel.

Gibt es glückliche Prostituierte?
Alle Menschen auf der Welt, ob Männer oder Frauen, sind Prostituierte. Ab einem gewissen Preis ist jeder käuflich.

Wie haben sich denn die Preise im Zürcher Nachtleben entwickelt?
Als ich in Zürich studierte, standen die Nutten noch an der Dufourstrasse und kosteten 100 Franken. Heute kriegen Sie zwar immer noch eine für 100 Franken, wenn Sie wollen. Aber: In einem Kabarett ist es massiv teuer, in solchen Luxusläden kostet es, bis Sie eine «rausgelupft» haben, schnell einmal 1500 Franken.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass die halbe Zürcher Sittenpolizei unter Korruptionsverdacht steht. Erstaunt Sie das?
Nein, gar nicht. Überall auf der Welt, wo Polizisten gegen Geschäfte am Rande der Legalität ermitteln, besteht die Gefahr, dass sie irgendwann selber Gefälligkeiten annehmen.

Die Schweiz hat den Ruf, wenig anfällig für Korruption zu sein. Wie ist das möglich?
Korruption kommt in der Schweiz immer wieder vor, und es gibt sicher viele Fälle, die nie entdeckt werden. Es ist typisch, dass im aktuellen Fall die Angestellten vorgeführt werden, die keine hohen Posten haben. Viel eher müsste mal noch genauer anschauen, wie häufig Regierungsräte oder Stadträte sexuelle Dienstleistungen entgegennehmen. Das Übel kommt meist von oben und nicht umgekehrt.
Das sind harte Anschuldigungen. Haben Sie einen konkreten Verdacht?
Wenn ich in Zürich unterwegs bin, fällt mir auf, dass gewisse Etablissements und Leute nicht unter die Lupe genommen werden und andere ständig.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Polizisten in Zürich?
Mir gegenüber war die Polizei noch nie unangenehm. Aber ich habe schon Situationen beobachtet, wo sie sich ruppig verhalten haben. So mussten sich einmal in einer kalten Januarnacht drei Rekruten, die zuvor im Restaurant Sonne etwas gehascht hatten, bis auf die Unterhosen ausziehen. Dieses Verhalten ging meiner Meinung nach deutlich zu weit.

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