Am Feierabend verwandelt sich das Privatauto in vielen amerikanischen Städten zum Taxi. Das Online-Unternehmen Uber und sein Dienst UberPop machen es möglich. Das Prinzip ist einfach: Wer über 21 Jahre alt ist, ein viertüriges Auto besitzt und einen reinen Leumund sein Eigen nennt, kann sich registrieren und seine Fahrerdienste anbieten – zu einem Preis, der von Uber vorgegeben wird. Uber versteht sich als Vermittler.

Nun baut der Internet-Dienstleister sein Angebot in der Schweiz aus. Bereits heute bietet Uber in Zürich einen Limousinen- und Van-Service an. Jetzt wird mit Genf die zweite Schweizer Stadt in Angriff genommen. Seit kurzem sucht der Anbieter unter anderem einen «General Manager Geneva» und einen «Operations & Logistics Manager» für die Rhonestadt. Zur genauen Planung hält sich Uber bedeckt. «Uber will in jeder Stadt tätig sein, in der es ein Bedürfnis nach effizienten, sicheren und zuverlässigen Transportdienstleistungen gibt», sagt Sprecherin Susanne Elias-Stulemeijer. «Genf ist dabei keine Ausnahme.»

Die hiesige Taxi-Branche ist alarmiert. Insbesondere im Kerndienst UberPop, mit dem praktisch jedermann zum Taxi-Chauffeur werden kann, sehen die Fahrer eine unrechtmässige Konkurrenz. UberPop ist in der Schweiz zwar noch nicht gestartet. Man prüfe aber Optionen, sagt Uber-Sprecherin Elias-Stulemeijer. «Die technologische Revolution ist bereits hier, und Städte wie Zürich und Genf werden und können nicht ausgelassen werden, auch weil diese Städte als technologische Zentren des Landes auftreten möchten.»

Der Verband Taxisuisse bereitet sich auf dieses Szenario vor. «Würde UberPop lanciert, dann würden wir höchstwahrscheinlich dagegen klagen», sagt Verbandspräsident Patrick Favre. Die Grundidee von Uber fände er zwar sehr gut. Das Problem sei aber, dass nicht die gleichen Bedingungen gälten. «Wir bezahlen AHV, Mehrwertsteuer, faire Löhne und sind an die Verordnung für den berufsmässigen Personentransport gebunden», sagt er. «Wir fordern gleiche Bedingungen für alle, und das heisst, dass auch Uber Profifahrer-Lizenzen erwerben, den Fahrern AHV bezahlen und die restlichen Bedingungen erfüllen müsste, welche für die Branche gelten.» Darüber habe man auch schon mehrmals auf Regierungsebene gesprochen.

Eine Taxilizenz wäre allerdings bei einer Lancierung von UberPop rechtlich nicht unbedingt vonnöten. «Wer Limousinen-Service anbietet, benötigt eine Bewilligung für den berufsmässigen Personentransport. Daneben muss ein Fahrtenschreiber installiert und das Arbeits- und Ruhezeitengesetz eingehalten werden», sagt Marco Cortesi, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei. «Dasselbe würde auch für Privatpersonen gelten, die bei einer Lancierung von UberPop mitmachen wollten.»

Ohne Taxilizenz dürften allerdings die Busspuren nicht benutzt und keine Taxischilder angebracht werden. Taxi- und Limousinen-Service seien deshalb nicht vergleichbar. Die bereits bestehenden Zürcher Limousinen- und Van-Dienste von Uber seien aus Sicht der Stadtpolizei bisher wenig problematisch und erfüllten bei Kontrollen die Voraussetzungen, sagt Cortesi.

Patrick Favre von Taxisuisse will den Kampf nicht aufgeben. «Die Taxi-Branche kämpft ums Überleben, Taxi-Fahrer arbeiten 250 Stunden im Monat für tiefe Löhne», sagt er. «Es geht nicht, dass dann für Firmen wie Google, die an Uber beteiligt sind, andere Bedingungen gelten.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper