Das britische Hochschulmagazin «Times Higher Education» veröffentlichte kürzlich fast unbemerkt ein erstaunliches Ranking. Es misst die internationale Ausrichtung von über 400 Universitäten. Unangefochten an der Spitze stehen gleich drei Schweizer Hochschulen. Die stärkste internationale Anziehungskraft hat demnach die ETH Lausanne, dann folgen die Uni Genf und die ETH Zürich. Bereits auf Platz 12 und 28 sind die Universitäten Basel und Zürich zu finden. Die Liste basiert auf dem Anteil der ausländischen Professoren und Studenten sowie der Intensität der Forschungszusammenarbeit mit dem Ausland.

Das Ergebnis erstaunt in Hinblick auf die Zuwanderungsinitiative. Seit Annahme des SVP-Anliegens warnen die Hochschulen vor einem herben Verlust der internationalen Bedeutung. Nun zeigt das Ranking, dass die Hochschulen Rückschläge wie das Ende des Studentenaustauschprogramms Erasmus offensichtlich kompensieren können. Doch noch immer sind die Universitätsrektoren skeptisch. Sie befürchten die Isolation, sollten weitere Verträge mit der EU aufgelöst werden. Gleich auf mehreren Ebenen laufen deshalb neue Bestrebungen. Im Zentrum stehen Kooperationen mit anderen Universitäten. «Bilaterale Verträge mit ausländischen Hochschulen werden künftig noch wichtiger», sagt Antonio Loprieno vom Vorstand der Swissuniversities.

Einen ähnlichen Weg hat die Universität Basel bereits eingeschlagen. Gemeinsam mit drei deutschen und einer französischen Uni am Oberrhein will sich die Hochschule zu einem «European Campus» zusammenschliessen. Das Projekt verfolgen die Basler schon länger, es erhält aber angesichts drohender Kontingente für Lehrpersonal und Studierende neue Dringlichkeit: Die Allianz mit den Hochschulen aus dem EU-Raum soll es Basel erlauben, auch künftig Professoren einzustellen, ohne auf Arbeits- und Niederlassungsbewilligungen angewiesen zu sein. Funktionieren soll das über eine noch zu bildende juristische Körperschaft. Politisch ist dieser Weg brisant: Er könnte es der Universität erlauben, Beschränkungen zu umgehen.

In Basel stösst die Idee gerade deshalb auf Zustimmung. «Als internationaler Wirtschafts- und Bildungsstandort müssen wir uns auf alle Eventualitäten vorbereiten, die uns mit einer harten Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiativen drohen», sagt die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz. Ähnlich sieht Rektor Loprieno die Situation. Der Campus könnte allfällige juristische Probleme der SVP-Initiative lösen, ist er überzeugt. Weitere Projekte sollen folgen. So haben Bund und Rektoren erst vor wenigen Monaten einen Forschungsvertrag mit Australien abgeschlossen. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit den besten acht Hochschulen von Down Under. Hinzu kommen Länder wie Südafrika oder Singapur, die mit einzelnen Universitäten kooperieren.

Die Hochschulen profitieren im Ranking vor allem davon, dass die Schweiz ein kleines Land ist und es die kulturellen Erwartungen an Professoren und Studenten klein hält. Vorgaben wie in Schweden, wo ausländische Dozierende nach einigen Jahren angehalten sind, auf Schwedisch zu unterrichten, gibt es hierzulande nicht. Englisch genügt.

Trotzdem scheint die ETH Lausanne – die weltweite internationalste Hochschule – an ihre Grenze gestossen zu sein. «Ein Numerus clausus für ausländische Studierende ist unumgänglich», sagte kürzlich Patrick Aebischer, scheidender Rektor der ETH Lausanne. Mehr als 10 000 Studenten könne die Hochschule nicht verkraften.

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