Der Bundesrat begrenzt für zwölf Monate die Zuwanderung aus dem gesamten EU-Raum. Ein Problem für das Gesundheitswesen. Nur zwei Drittel des jährlichen Bedarfs an Ärzten und Pflegenden bildet die Schweiz selber aus. Ein Drittel kommt aus dem Ausland.

Wie akut der Fachkräftemangel heute trotz Zuwanderung ist, zeigen neuste Zahlen der nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdASanté): Allein in der Pflege fehlen für Spitäler, Heime und Spitex zurzeit 3074 Personen. Für den Geschäftsführer von OdASanté, Urs Sieber, ist deshalb nach dem Beschluss des Bundesrates, die Ventilklausel anzurufen, klar: «Es müssen grössere Anstrengungen vorgenommen werden, um die Stellen zu besetzen.»

Erfreulich: Erste Anstrengungen mittels Bildungsreform zeichnen sich bereits ab. 3149 Jugendliche haben vergangenen Sommer eine dreijährige Lehre zu Fachfrau/-mann Gesundheit (FaGe) begonnen. Das sind knapp 200 mehr als noch 2011. Um den Bedarf zu decken, fehlen allerdings noch immer 1274. «Obwohl die Betriebe schon sehr viel machen, müssen sie noch mehr Lehrplätze schaffen, damit alle geeigneten Interessenten eine Aussicht auf eine Lehrstelle haben», sagt Sieber. Bereits heute gehören die FaGe-Lehrstellen bei Jugendlichen nach dem KV zu den Populärsten.

«Auf eine ausgeschriebene Lehrstelle melden sich bis zu 40 Jugendliche», sagt Peter Marbet, Direktor des Berner Bildungszentrum für Pflege. 800 Junge haben im August 2012 im Kanton Bern eine Lehre zur FaGe begonnen. «Wir hätten aber deutlich mehr geeignete Jugendliche aufnehmen können, hätte es genügend Lehrstellen gehabt.»

Ganz anders sieht das Bild bei den diplomierten Pflegefachfrauen/-männern aus – ehemals Krankenschwestern. «Hier fehlen uns nicht die Lehrstellen, sondern die Leute», sagt Marbet. Zwar haben vergangenes Jahr 2894 Lehrabgänger oder Maturanden eine Ausbildung zur Pflegenden an einer höheren Fachschule (HF) oder Fachhochschule (FH) begonnen. Das sind aber 1800 zu wenig.

Einen Grund dafür zeigt die neue Studie «Laufbahnentscheidungen» von OdASanté auf: Nur 35 Prozent der FaGe-Absolventen tritt eine weiterführende Ausbildung zur diplomierten Pflegenden an. Die Mehrheit arbeitet als FaGe weiter. «Für viele ist es nach einer Lehre attraktiver, erst mal einen Job zu haben und Geld zu verdienen, als nochmals die Schulbank zu drücken und lediglich 1000 Franken zu verdienen», sagt Marbet. Eine FaGe verdient heute nach Lehrabschluss rund 4600 Franken – diplomierte Pflegefachangestellte 5300. Für den Bildungszentrums-Direktor ist deshalb klar: Die Differenz ist zu klein, um dafür zwei Jahre zu büffeln.

Um dem Mangel an diplomierten Pflegenden entgegenzuwirken, schlägt Marbet vor: junge Leute für die Ausbildung im Ausland zu rekrutieren. Das sieht Sieber anders: «Wir müssen die Leute, die wir brauchen, selber ausbilden.»

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