Es war 22.37 Uhr, als Tatjana Festerling am 10. Februar auf Facebook ihr Profilbild änderte. Das Gründungsmitglied der Partei «Alternative für Deutschland» (AfD) zeigte sich am Tag nach der Abstimmung zur Masseneinwanderung neu vor einem Schweizer Kreuz. «Flagge und Gipfelkreuz Grosser Mythen, 1898 Meter über Meer, Wahrzeichen von Schwyz», schrieb die Hamburgerin.

Knapp zehn Monate später macht Festerling wieder von sich reden. Mit einem Text auf der Internetplattform «Journalistenwatch.com», in dem sie die Demo von 5000 «Hooligans gegen Salafisten» (HoGeSa) vom 26. Oktober in Köln verteidigt. 200 000-mal wurde der Text abgerufen, auf Facebook 22 000-mal «geliked». Die «Weltwoche» druckte dazu einen zweiseitigen Text Festerlings ab unter dem Titel «Aufbegehren unerwünscht». Festerling thematisiert «die Feigheit von Politik und Medien in Deutschland».

Der Urtext, für den Festerling inzwischen der Ausschluss aus der AfD droht, wurde in der Schweiz ebenfalls bemerkt: von Ignaz Bearth, dem Präsidenten der Direktdemokratischen Partei Schweiz (DPS). Auf Twitter postete Bearth den Erlebnisbericht «Die Wahrheit zur HoGeSa-Demo» am 27. Oktober. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» schreibt Bearth per E-Mail: «Weil Tatjana Festerling die Demonstranten lobte für ihr Engagement, soll sie jetzt in aller Öffentlichkeit stigmatisiert werden!? Soll das allen Ernstes Meinungsfreiheit sein? Soll das objektiven und vor allem neutralen Journalismus darstellen?»

Am 31. Oktober twitterte Bearth erneut zu Köln: «45 Minuten Videoaufnahmen von der HoGeSa-Demo, macht euch selbst ein Bild.» Persönlich habe er in Köln «leider nicht präsent sein» können, schreibt er der «Schweiz am Sonntag». «Jedoch war ein Parteimitglied der DPS vor Ort, welches mir schilderte, wie es in Köln wirklich war.»

Bearth war früher Mitglied der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) und später der St. Galler SVP. Gemäss Antifa Bern soll er «bis 2008 nachweislich im rechtsextremen Milieu» verkehrt haben. Bearth schrieb im «Tages-Anzeiger» dazu: «Für mich sind Tatsachen und nicht Anschuldigungen die Basis für eine Diskussion.» 2012 gründete er die Rechtsaussenpartei DPS. Sie sei «eine soziale Heimatpartei», schreibt er, «welche sich auch sozialer und ökologischer Themen annimmt». In der «Thurgauer Zeitung» betonte die DPS, bei ihr habe «Extremismus keinen Platz, weder linker noch rechter, noch religiöser».

Auf Facebook ist Bearth heute jener Politiker, der die Rangliste der Likes mit 27 670 anführt, vor SVP-Nationalrat Oskar Freysinger (24 377) und SP-Nationalrat Cédric Wermuth (9579). Bearths Erklärung: «Die Classe politique politisiert auf eine grausame Art und Weise an den Menschen vorbei. Leichtfertig setzen gewisse Kreise die Zukunft aller europäischen Völker und Länder aufs Spiel.» Zurzeit hält er sich in Barcelona auf. Die Volksbefragung zu Katalonien sei zwar verboten worden. Er sei aber mit dem Ziel geflogen, «dass die Menschen ein freies Katalonien ihr Eigen» nennen dürften. «Flandern, Südtirol, das Baskenland und viele weitere Regionen streben nach Selbstbestimmung.»

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