Eine neue Kampagne warnt vor falschem Verhalten.
Nicht nur aggressive Mutterkühe machen den Wanderern in den Schweizer Bergen das Leben schwer. Jetzt droht gar ein Hundebiss in die Bikerwaden oder eine zerfetzte Wanderhose. Der Grund: Immer häufiger rennen den Touristen beim Durchqueren einer Alp laut bellende Herdenschutzhunde entgegen.

Der Hund soll seine Herde gegen Wölfe verteidigen – er wehrt aber auch Wanderer und Biker ab. Das führt zu Beschwerden. «Wir haben Meldungen von Wanderern wegen Herdenschutzhunden», sagt Christian Hadorn vom Dachverband Schweizer Wanderwege. Wenn die Leute sich vor bellenden Hunden fürchten und sich falsch verhalten, werden die Hunde aggressiv. «Herdenschutzhunde sind schon ein Risiko für Wanderer», sagt der Walliser Kantonstierarzt Jérôme Barras. Denn die Schutzhunde verteidigten ihre Herde stärker als Mutterkühe. Nach jedem Vorfall wird ein Hund aber überprüft, ob er zu aggressiv ist. Im vergangenen Jahr wurden deshalb Hunde umplatziert oder eingeschläfert.

Ärger mit Touristen, die einen eigenen Hund dabeihaben, sind besonders häufig. Weil: «Ein Hirtenhund macht keinen Unterschied zwischen Wolf und Hund», sagt der Kantonstierarzt. Die Probleme mit der Bevölkerung werden laut Barras noch zunehmen: «Je mehr Herdenschutzhunde es gibt, desto mehr Konflikte mit Touristen gibt es.»

Doch die Nachfrage nach Herdenschutzhunden steigt. Aktuell sind 180 ausgebildete Hunde im Einsatz und es werden laut den aktuellen Zahlen der nationalen Koordinationsstelle für Herdenschutz jedes Jahr mehr. Die Hälfte der Hunde wacht allein über die Schafe. Das Fressen kommt aus Futterautomaten, der Hirt besucht die Herde nur sporadisch. Dass Hunde die beste Lösung für Herdenschutz sind, ist unbestritten.

Dennoch kritisiert Moritz Schwery vom Schweizerischen Schafzuchtverband: «Die Probleme mit Herdenschutzhunden werden unterschätzt.» Der Aufwand und die Kosten seien gerade für kleine Alpen viel zu gross, so Schwery. Ein gut ausgebildeter Hund kostet bis zu 2500 Franken, dazu kommen Futter- und Tierarztkosten. Zudem: «Die Haltung der Hunde im Winter ist schwierig, da die Hunde viel bellen, was in Siedlungsgebieten Ärger gibt», sagt Schwery. Er fordert vom Bund mehr Geld für den Herdenschutz. «Sonst droht die Gefahr von illegalen Wolfabschüssen», sagt der Schafzüchter.

«Wenn man Wolf und Bär in der Schweiz will, muss man sich an Herdenschutzhunde gewöhnen», sagt Felix Hahn von der Koordinationsstelle für Herdenschutz. Er sieht das Problem eher beim fehlenden Wissen der Touristen. Die Fachstelle geht deshalb jetzt in die Offensive und stellt nächstens zweihundert neue Warntafeln auf. Zudem lanciert sie einen Werbespot, der in Bergbahnen und Postautos gezeigt wird. Wichtigste Botschaft für die Wanderer: Distanz wahren und die Herde umgehen.

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