Der stellvertretende Zürcher Kantonstierarzt Rudolf Thoma und seine Mitarbeiter erhalten regelmässig «Mängelmeldungen» – sie enthalten die Namen von Tierschutz-Sündern, die ihren Wellensittich oder das Meerschweinchen einzeln halten. «Die Meldungen stammen von Privatpersonen», sagt Thoma. «Pro Jahr werden uns 10 bis 15 Fälle zur Kenntnis gebracht» – macht einen Denunzianten pro Monat.

Auch das Veterinäramt des Kantons Basel-Stadt wird mit Tipps aus der Bevölkerung versorgt. «Bei den Meldenden handelt es sich meist um Nachbarn oder Passanten – Wellensittich-Käfig am Fenster –, die auf die Einzelhaltung aufmerksam machen», sagt Nicolas Späth vom Veterinäramt des Kantons Basel-Stadt. Jede Meldung habe eine Abklärung durch die Tierschutzfachstelle zur Folge. «Unser Amt ist auf diese Meldungen angewiesen, denn im Heimtierbereich sind gesetzlich keine regelmässigen Kontrollen der Tierhalter vorgeschrieben.»

Das Single-Verbot bei Meerschweinchen, Kanarienvögeln und Wellensittichen gilt seit September 2008. Dann trat die neue Tierschutzverordnung in Kraft. Artikel 13 schreibt vor: «Tieren sozial lebender Arten sind angemessene Sozialkontakte mit Artgenossen zu ermöglichen.» Konkret: Sie müssen «in Gruppen von mindestens 2 Tieren gehalten werden». Dagegen dürfen Kaninchen einzeln untergebracht sein – aber in Hör- und Geruchsdistanz zu anderen Häschen.

Seit die neuen Bestimmungen in Kraft sind, zwitschern besorgte Tierfreunde den Behörden, wenn sie einen Fall von tierischer Isolationshaft entdecken. «Die Meldungen betreffen hauptsächlich Kaninchen, die in der Wohnung gehalten werden, und die Einzelhaltung von Meerschweinchen und Ziervögeln», sagt Monika Bernoulli, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Veterinärdienst des Kantons Bern.

Vor allem männliche Kanarienvögel würden trotz Verbot oft allein gehalten – «sie singen dann schöner, weil sie Sehnsucht nach einem Weibchen haben». Sind sie zu zweit, verstummen die Männchen, glücklich über die Gesellschaft. Das passt nicht jedem Halter.

Doch nicht allen Tier-Spitzeln liegt das Wohl der Vögelchen oder Meerschweinchen am Herzen. «Leider ist eine Zunahme von Meldungen festzustellen, in der nicht die Sorge um das Tier im Zentrum steht, sondern der Streit zwischen Nachbarn», sagt Bernoulli. Konkret: Über den Tierschutz nehmen Streithähne Rache an unliebsamen Nachbarn.

Verstösse gegen das Tierschutzgesetz können mit bis zu 10 000 Franken gebüsst werden. «Diese Höhe wurde bisher in der Praxis aber nie erreicht», sagt Christine Künzli von der «Stiftung für das Tier im Recht».

Das gilt erst recht bei der illegalen Einzelhaltung von Haustieren. Ein Tierbesitzer im Kanton Aargau, der seinem Meerschweinchen statt eines Artgenossen einen Hasen ins Gehege setzte, das zudem zu klein war, wurde mit 100 Franken gebüsst.

Mit den fehlbaren Tierhaltern treffen die Behörden in der Regel eine Vereinbarung. «Meist lassen sich diese Fälle damit lösen, dass man den Tierhalter auffordert, dem Tier einen Partner beizustellen», sagt Rudolf Thoma vom Zürcher Veterinäramt. Trotzdem läuft es nicht immer so glimpflich ab: Einen renitenten Vogelbesitzer mussten die Zürcher Kantonstierärzte mit einer Strafanzeige in die Knie zwingen.

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