Herr Wyss, Sie haben 120 Millionen Dollar an die ETH Zürich und die Universität Zürich gespendet. Was hat den Ausschlag für Ihr Engagement gegeben?
Hansjörg Wyss: Es ging mir darum, Forschung zu finanzieren, die den Patienten wirklich etwas nützt. Was bringt es, Ergebnisse zu publizieren, die in einem dunklen Schacht enden? Das neue Zentrum soll die Entwicklung neuer medizinischer Therapien beschleunigen.

Und dafür war Zürich der beste Ort?
Die Grundlagenforschung in der Schweiz – speziell in Zürich – zählt weltweit zu den besten. Doch damit ist es nicht getan. Ich möchte mithelfen, die Lücke zwischen der Forschung und dem konkreten Nutzen für die Patienten zu schliessen.

Ihre Spende sichert den Aufbau und Betrieb des Zentrums in den nächsten sieben bis zehn Jahren. Können Sie sich vorstellen, danach nochmals Geld in das Projekt zu stecken?
Ich weiss nicht, was in zehn Jahren ist. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Das ist abhängig von den Ergebnissen. Wenn Sie fünf Jahre in einen Fussballclub wie GC investieren würden, möchten sie doch auch erst sehen, ob der Klub erfolgreich ist, bevor sie noch mehr hineinstecken.

Seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative fürchten Schweizer Universitäten, im internationalen Vergleich abzurutschen. Wollten Sie mit ihrer Spende dem Bedeutungsverlust entgegenwirken?
Nein, das Engagement ist unabhängig davon.

Aber es stärkt den Schweizer Forschungsplatz.
Auf die weltweite Zusammenarbeit sind heute alle Forscher und Studenten angewiesen. Eine Spende kann die Probleme nicht lösen. Wenn ein reicher Herr aus Herrliberg (Christoph Blocher; Anm. d. Red.) meint, man könne alles allein machen, ist das an Naivität nicht zu überbieten. Gar nichts kann man heute allein machen! Man muss mit anderen Institutionen und Professoren zusammenarbeiten. Deshalb ist die Schweizer Beteiligung am EU-Förderprogramm «Horizon 2020» für junge Leute so verdammt wichtig.

Im Oktober griffen Sie mit einer fulminanten Rede in die EU-Debatte ein. Wollen Sie sich künftig öfter zu politischen Themen äussern, oder bleibt das die Ausnahme?
Persönlich beschäftigt mich die Masseneinwanderungsinitiative jeden Tag. Doch zuerst müssen wir schauen, wie es weitergeht. Zu welchem Schluss kommt der Bundesrat? Was steht in der Vernehmlassung? Und wird die EU überhaupt das Telefon abnehmen, wenn wir anrufen? Das bezweifle ich zwar, aber lassen Sie uns abwarten. Dazu ist alles gesagt.

Trotzdem sind Sie Mitglied der Gruppierung «Raus aus der Sackgasse», welche die SVP-Initiative rückgängig machen will.
Ich habe meinen Namen zur Verfügung gestellt, ja.

Unterstützen Sie die Gruppierung finanziell?
Ich habe meinen Namen zur Verfügung gestellt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper