VON KATIA MURMANN

Es ist Herbst, und wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Denn er wird so schnell keinen Handwerker finden, um das Bad einzubauen, niemanden, der seine Elektroleitungen anschliesst und niemanden, der seine Heizung in Betrieb nimmt.

«Eigentlich sind wir mit der Auftragsplanung schon im nächsten Jahr», hört etwa, wer bei K. Greb & Sohn, Wasser, Gas, Wärme in Zürich, um Rat sucht. Vielleicht könne man in vier, fünf Wochen vorbeischauen. Man werde sich melden... Ebenso tönt es bei der Firma Kälin Sanitär und Heizung. «Diese Woche nicht, nächste Woche auch nicht, übernächste vielleicht.» Und auch in anderen Regionen, sei es in Basel, im Glarnerland oder in Luzern: Wer einen Handwerker sucht, muss sich gedulden. Je kleiner der Auftrag, desto länger die Wartezeit.

«Wir hören immer wieder, dass Handwerker keine Zeit haben, vorbeizukommen und dass sie einzelne Aufträge ablehnen müssen», bestätigt Benjamin Mühlemann von suissetec, dem Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband – ein Mann, der trotz bester Beziehungen selbst gerade auf der verzweifelten Suche nach einem Heizungsbauer ist. «Die Betriebe sind sehr gut ausgelastet», so Mühlemann. Von der Krise würden die suissetec-Mitglieder «eher wenig» spüren.

Pech für die Kunden, die ausgerechnet vor der Heizperiode noch dringende Arbeiten erledigen lassen wollen. Glück aber für die, die einen Handwerks-Betrieb ihr Eigen nennen. Für die Büezer rollt der Rubel in diesem Herbst besonders rund. «Die Krise ging bei uns aussen vor», sagt auch Hans-Peter In-Albon, Direktor des Verbandes Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen (VSEI). Die Verbands-Mitglieder hätten derzeit «genug bis sehr viel Arbeit». Kunden müssten bis zu einem Monat oder länger warten.

Grund für den heissenHandwerker-Herbst ist nach Ansicht der Experten, dass die Schweizer in der Krise in sichere Werte wie das Eigenheim investieren. «Da spielen auch die günstigen Hypothekarzinsen eine Rolle», sagt Hans-Peter In-Albon vom VSEI. Zudem zeigten die Förderprogramme des Bundes ihre Wirkung.

Bei so viel Bautätigkeit gibt es schlicht nicht genug Handwerker in der Schweiz. Ein Problem ist der Nachwuchs: Weil es zu wenig qualifizierte Bewerber für den Handwerksberuf gibt, bleiben Lehrstellen oft unbesetzt. Das wiederum führt zu einem Mangel an erfahrenen Büezern, der mittlerweile so gross ist, dass die Betriebe im Ausland rekrutieren: «Weil wir weit weniger Berufsleute haben, als wir eigentlich beschäftigen können, stellen in der Romandie die Betriebe mittlerweile sogar Leute aus Frankreich an», sagt VSEI-Direktor Hans-Peter In-Albon.


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