VON CLAUDIA MARINKA

Es geschah vergangenen Mittwoch vor zwei Wochen: Silvan Leutenegger und sein Kollege spazieren durchs Zürcher Niederdorf. Unvermittelt tauchen zwei junge Männer auf und schlagen brutal auf sie ein. Der 24-jährige Silvan erleidet Prellungen und innere Verletzungen am Kopf. Seinem Kollegen brechen die beiden unbekannten Täter das Schienbein.

«Das hat mich sehr mitgenommen», erzählt Silvan Leutenegger. Alles sei sehr schnell gegangen: Sie seien noch «eis go zieh», zogen gemütlich um die Häuser im Niederdorf. Zuvor hatten die beiden Freunde zu Hause einen Fussballmatch im Fernsehen geschaut. Gegen drei Uhr früh machten sie sich auf den Heimweg. «Wir liefen durch das Dörfli und wollten am Limmatquai ein Taxi nach Hause nehmen», sagt der gelernte Informatiker.

Silvan Leutenegger rennt Richtung Strasse, damit ihn der Taxifahrer sieht, da hört er hinter sich einen Schrei. Als er sich umdreht, liegt sein Kollege verletzt am Boden – mit einem Beinbruch. Die Angreifer schlagen weiter auf den wehrlosen Studenten ein. Silvan Leutenegger eilt herbei und ruft: «Lasst ihn in Ruhe!» Er verteidigt seinen Kollegen, dabei wird er selber am Kopf verletzt. Dann lassen die Gewalttäter von den beiden ab und flüchten.

«Es gab keine Vorgeschichte, keine Rempelei im Vorfeld, einfach nichts. Sie haben uns aus dem Hinterhalt angegriffen, einfach so», sagt er.

Silvan Leutenegger schleppt seinen Kollegen ans Limmatquai, alarmiert die Ambulanz und die Polizei.

Eine Anzeige können sie erst eine Woche danach erstatten. Warum erst so spät? Nun, der zuständige Polizist, der das Geschehen notierte, ist am nächsten Tag in den Ferien...

Der Überfall hat die beiden Freunde geprägt. «Ich schaue immer, dass ich im Ausgang mit Freunden unterwegs bin», sagt Silvan. Was ihn schockiert habe, sei diese grundlose Gewaltbereitschaft. «Es ist unverständlich, wie man willentlich auf fremde Leute einschlagen kann. Solche Typen blenden ihre Opfer völlig aus. Wichtig ist ihnen wohl, sich einfach sinnlos abzureagieren», so Silvan.

Der Schock sitzt tief bei ihm und seinem Freund. Er selber achtet nun noch mehr auf seine Umgebung, sieht sich vor, wo er hingeht. Mit seinem Gang an die Öffentlichkeit will er auf das Thema Gewalt aufmerksam machen: «Leider kann das jedem passieren. Wichtig ist, keine Angst zu haben, im Ausgang wachsam zu sein und am besten mit Freunden und nicht allein unterwegs zu sein.»