Mit Cannabis lässt sich Geld verdienen. Das zeigt ein neuer Bericht des europäischen Polizeiamtes Europol. Über 9 Milliarden Euro setzte der Schwarzmarkt vergangenes Jahr um. Cannabis ist der Spitzenreiter unter den Drogen. Auch hierzulande.

Zwischen 300 000 und 500 000 Menschen geben sich in der Schweiz regelmässig dem Rausch des grünen Krauts hin. Geschätztes Marktvolumen: Bis zu einer Milliarde Franken. Um den lukrativen Markt unter staatliche Kontrolle zu bringen und das ökonomische Potenzial aufzuzeigen, hat der Basler Drogenexperte und Agronom Thomas Kessler ein Regulierungskonzept erarbeitet, als Mitglied der eidgenössischen Kommission für Drogenfragen präsentierte er es kürzlich.

In der Debatte erhält das Modell nun Auftrieb. Denn die Städte Bern, Basel, Zürich und Genf planen aktuell Pilotprojekte in Richtung Legalisierung. Bis Ende Jahr dürfte das Bundesamt für Gesundheit den vier Städten die Erlaubnis erteilen. In Bern sollen beispielsweise ausgewählte Apotheken Cannabis verkaufen: Die Stadtregierung will versuchsweise den Konsum für rund 1000 Berner legalisieren. Während des Forschungsprojektes wird mehrheitlich Hanf aus ausländischer Produktion verwendet, etwa aus Holland.

Das müsste nicht sein, zeigt Kesslers Modell. Die Schweizer Berggebiete eignen sich für den Hanf-Anbau ideal. Die Hanfpflanze ist robust und hat gerade in Graubünden eine lange Tradition als Faser- und Medizinalpflanze. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Produktion stetig zurück. Heute beträgt die Anbaufläche noch 20 Hektaren, und sie ist ein Nischenprodukt in der Landwirtschaft. Dabei wären die Bauern interessiert, Hanf anzupflanzen.

Bei der Berner Sozialdirektorin Franziska Teuscher (Grüne) haben sich Dutzende Bauern gemeldet, die gern am Pilotprojekt mitarbeiten würden. «Das hat mich überrascht», sagt Teuscher. Man müsse nun anschauen, wie rasch die Landwirte die Pflanzen ziehen könnten und unter welchen Voraussetzungen. «Zwar fokussieren wir uns auf die kontrollierte Abgabe von Cannabis, doch idealerweise stammt der Hanf aus der Schweiz», sagt Teuscher. Für Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizer Bauernverbands, steht fest: «Die Landwirte würden die Nachfrage decken – sobald es die Gesetzeslage erlaubt.» Wegen der gesunkenen Preise für Zuckerrüben oder Futtergetreide könne das attraktiv sein.

Rauchhanf wird lebhaft nachgefragt. Zwischen 50 und 100 Tonnen Cannabis werden jährlich in der Schweiz konsumiert. Heute wird in Lagerhallen und Hinterzimmern produziert. Die Folge: Die Ware ist unkontrolliert, mit Schadstoffen und Pestiziden belastet und enthält Streckmittel.

Daher macht Drogenexperte Kessler die Hanfbüchleinrechnung: Mit einer Are Land lassen sich bis zu 20 Kilogramm reines Hanfkraut ziehen. Erhält ein Bauer pro Gramm einen Franken, könnte er mit maximal zwei Aren Land 40 000 Franken pro Jahr erzielen. Am meisten würde der Staat profitieren. Bei einem Gesamtmarkt von einer Milliarde Franken würden 850 Millionen unter anderem für die AHV und die Drogenprävention zurückfliessen.

Felix Gutzwiller, ehemaliger Zürcher FDP-Ständerat, hatte sich über Jahre für eine progressive Drogenpolitik starkgemacht. Er ist überzeugt: «Eine Legalisierung mit staatlicher Kontrolle wäre eine Chance für den Staat, beispielsweise zur Finanzierung der AHV.»

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