VON CLAUDIA MARINKA

Am Anfang war die Idee, die Idee für einen etwas anderen Grabstein: So entwarf der Aargauer Künstler Markus Hug aussergewöhnliche Kreationen mit Alpenkalk und Stahl-Inschrift. Hug organisierte im September einen Ausstellungsplatz in Nussbaumen und informierte sich bei der Gemeinde, ob solche Steine denn aufgestellt werden dürften. Das sei mit dem Friedhofsreglement vereinbar, signalisierte man ihm.

«Es gab verschiedene Interessenten, die einen meiner Grabsteine kaufen wollten», sagt Hug. So hat er auf Kundenwunsch vielseitige Formen von Grabsteinen aus Alpen- und Jurakalk mit feuerverzinkter Stahleinfassung hergestellt, wie es sie so noch nicht gab. Doch das passte nicht allen. Vor drei Wochen erhielt der Geschäftsleiter von Hug Art Grabsteine einen Telefonanruf. Am anderen Ende der Leitung: Bildatelier Meier Alfred aus Brugg.

Die Geschäftsleiterin wetterte, es gebe schon genug Konkurrenten, was ihm eigentlich einfalle, solche Grabsteine seien gar nicht erlaubt. Man habe Fotos von seinen Grabsteinen gemacht und werde gegen ihn vorgehen. Tatsächlich bestätigt Claudia Locher-Andres gegenüber «Sonntag»: «Wir haben den Bildhauerverband informiert. Es gibt seit Jahren ein Reglement, wir wollen keine neuen Grabsteine.»

Daraufhin ging alles schnell: Markus Hug bekam von der Gemeinde Nussbaumen (Obersiggenthal) Bescheid, dass man die Grabsteine nicht bewilligen würde. Man habe sein Anliegen geprüft und zusätzlich Rücksprache mit Landschaftsarchitekten genommen. Die Begründung der Absage könnte merkwürdiger nicht sein: «Weil es sich um eine neue, bisher nicht da gewesene Form von Grabmalen handelt, lässt sich aus dem geltenden Bestattungs- und Friedhofreglement nichts ableiten.

Unsere Abwägungen haben ergeben, dass das Grabmal ein individuell für den Verstorbenen hergestelltes, künstlerisches Werk sein sollte. Die von Ihnen vorgestellten Drahtgeflechte haben eher den Charakter vorfabrizierter Elemente, wir vermissen daran das Kunsthandwerk der Steinbearbeitung.»

Tatsächlich hat der Bildhauerverband Aargau die umliegenden Gemeinden angeschrieben, mit der Bitte, die-sen Grabstein nicht zuzulassen. «Wir haben mitgeteilt, dass wir das nicht wünschen», bestätigt Andreas Aeschbach vom Bildhauerverband Aargau. Er ist der Meinung, dass die Friedhofgestaltung so verkommen würde. «Grabsteine sind ein Kunsthandwerk und keine Handelsware», sagt Aeschbach.

Künstler Markus Hug kritisiert diese Vorgehensweise. «Die Gemeinden haben mir eine Absage erteilt, ohne mich überhaupt vorher zu kontaktieren oder sich näher über meine Grabsteine zu informieren», sagt er. Seine Investitionen von rund 30 000 Franken seien noch das eine.

«Ich muss nun für gewisse Gemeinden Angehörige von Verstorbenen abweisen. Nur weil irgendwelche Beamte meinen Grabstein künstlerisch nicht für hochwertig erachten.» Konkurrent Meier meint derweil, die Interessen der Kunden vertreten zu müssen: «Es liegt in unserem Sinne, die Angehörigen vor allfälligen Kosten und Ärger zu bewahren.»

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