Von Béla Zier

Monbiel ist ein pitoreskes und deshalb auch bei Touristen sehr beliebtes Dörfchen. Rund 100 Bewohner zählt die zuhinterst im Prättigau gelegene Walsersiedlung, die zur Gemeinde Klosters-Serneus gehört. Es ist ein äusserst lebenswerter Flecken Erde, dem die Einwohnerschaft Sorge trägt.

Auch die Politik, der Klosterser Gemeindevorstand, will alles daran setzen, dass Monbiel weiterhin nicht verhunzt und der bauliche Charakter beibehalten wird. Schliesslich soll das älteste Walserdorf im Prättigau seinen Charme nicht verlieren. Der Klosterser Gemeindevorstand hat deshalb ein schon seit Jahren hängiges Quartierplanverfahren wiederbelebt, mit dem viele bauliche Vorschriften und Gestaltungsrichtlinien festgelegt werden sollen. Auf die Gemeinde dürfte eine Flut von Einsprachen zukommen.

Der Quartierplan für Monbiel bezweckt gemäss den öffentlich aufliegenden Unterlagen eine optimale bauliche Gestaltung durch «zwingende und nachgiebige Vorschriften» so zu beeinflussen, dass sich das Quartierplangebiet weiterhin harmonisch in die Landschaft einpasst. In den Vorschriften ist von der Dach- über die Fenster- bis hin zur Umgebungsgestaltung alles minutiös geregelt. In einigen Bereichen wird über das Ziel hinausgeschossen. Das betrifft insbesondere die Gestaltungsrichtlinien.

Wie Monbiel auszusehen hat, ist auf 18 Seiten ausformuliert. So darf etwa die innere Struktur der bestehenden Wohnhäuser nicht «wesentlich verändert werden». Der ursprüngliche Walser- Grundriss muss erkennbar bleiben, wobei immerhin Stuben und Vorstuben zu einem grossen Raum verbunden werden können.

Wer nun meint, er könne mit der Umgebung auf seinem Grund und Boden nach eigenem Geschmack verfahren, ist auf dem Holzweg. Gartenzwerge oder «ähnliche Fremdkörper» sind tabu und auch ein englischer Rasen ist nicht erwünscht. Zulässig sind zudem nur «vorhandene einheimische Pflanzenarten», Fahnenstangen sowie sichtbare Aussenantennen/ Satellitenschüsseln und Solaranlagen sind untersagt. Unerwünscht sind im weiteren Spielplätze innerhalb des Quartiers, neue Zaun- und Brunnenanlagen sowie Ziergärten.

Kurt Steck, der Klosterser Gemeindepräsident, hat den Quartierplan Monbiel als politische Altlast geerbt: «Das ist eine uralte Geschichte. Es wurden immer wieder Anläufe unternommen, aber es hat nie zu einer vernünftigen Sache geführt.» Für Steck besteht der Bedarf nach Richtlinien, aber über das Vorgehen, das Wo und Was, sei man sich «noch nicht so ganz einig». Das widerspiegelte sich an einer kürzlich von der Gemeinde durchgeführten öffentlichen Informationsveranstaltung. Steck: «Ich habe an dem Anlass deutlich gesagt, dass wir gemeinsam einen Weg finden müssen. Alles andere führt zu Konfrontationen und bringt einfach nichts.»

Der Gemeindevorstand von Klosters- Serneus wird die Quartierplan-Richtlinien nach Ablauf der Auflagefrist gründlich überarbeiten müssen. «Es darf auf keinen Fall zu einer Überreaktion führen. Wir wollen dort kein Museum, wo man überhaupt nichts darf, sondern möglichst einfach die Ursprünglichkeit beibehalten.» Deshalb habe man die Besucher des Informationsabends dazu ermuntert, Eingaben zu unbefriedigenden Punkten einzureichen, damit man «gemeinsam eine saubere, gute, gangbare und praktische Lösung findet.» Damit dürfte sich auch das Gartenzwerg-Verbot in Luft auflösen, das Steck mit «damit hätte ich selber Mühe» kommentiert

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper