VON PETER BURKHARDT

Am 1. Mai 2010 verschwinden die Aschenbecher aus fast allen Beizen in der Schweiz. Dagegen läuft jetzt eine von 37 Wirten und der Jungen SVP des Kantons Bern gegründete Interessengemeinschaft Freie Schweizer Wirte Sturm. Sie will, dass jeder Wirt selber entscheiden kann, ob in seinem Lokal geraucht werden darf oder nicht. Eine entsprechende eidgenössische Volksinitiative wird sie im Januar lancieren. «Der Text ist fertig ausformuliert», sagt Präsident David Herzig. «Wir reichen ihn nächste Woche der Bundeskanzlei zur Vorprüfung ein.»

Gemäss dem Initiativtext, der dem «Sonntag» vorliegt, soll über Rauchverbote in Innenräumen einzig der Eigentümer befinden können. Das gilt namentlich für Restaurants und Hotels, aber auch für Schulen, Sporthallen, Discos und Kinos sowie für Bahnhöfe, Züge, Trams und Busse. Orte, an denen geraucht werden darf, müssen entsprechend beschildert werden.

Unterstützung erhalten die Initianten vom Schweizer Cafetier-Verband. «Wir haben am Montag beschlossen, die Volksinitiative mitzutragen», sagt Geschäftsführerin Johann Bartholdi. Auch der Verband Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Diskotheken wird Unterschriften sammeln, wie Präsident Jürg König sagt.

Die beiden mächtigsten Branchenverbände, Gastro Suisse und die Hotellerie Suisse, unterstützen die Initiative hingegen nicht. Ihre Begründung: Der Bundesrat sei ihren Anliegen in sensiblen Bereichen entgegengekommen. Zum Beispiel könnten die Betriebe bediente Fumoirs einrichten. «Wir können mit der eidgenössischen Lösung leben», sagt Hotellerie-Suisse-Präsident Guglielmo Brentel. Er gibt der Initiative ohnehin keine grosse Chance. «Es ist eine gesellschaftliche Realität, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht will, dass in öffentlichen Räumen geraucht wird.»

«Die nationale Lösung müssen wir angesichts der Volksmeinung akzeptieren», sagt auch Gastro-Suisse-Direktor Anton Schmutz. Damit zieht er den Zorn der militanten Wirte auf sich. «Die IG Freie Schweizer Wirte ist enttäuscht über die Mutlosigkeit von Gastro Suisse», so Präsident David Herzig. «Wir werden jetzt die Basis mobilisieren, damit der Verband doch noch auf unsere Linie umschwenkt.»

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