Sie sind eines der letzten Lohngeheimnisse im Land. Die Kaderlöhne beim Agrarkonzern Fenaco, der über 9000 Mitarbeitende beschäftigt und 2013 einen Umsatz von gut 6 Milliarden Franken erzielte. Mit Lebensmitteln, Dünger, Pflanzenschutzmitteln, Traktoren, Treib- und Brennstoffen, Fleischverarbeitung, Nutztierhandel, Software und vielem mehr. Die Fenaco-Genossenschaft, bekannt beim breiteren Publikum vor allem durch die Landi- und Volg-Läden, ist laut Eigendarstellung «ein Unternehmen der Schweizer Bauern». Aber während man seit Jahren weiss, was die Manager bei anderen Genossenschaften wie Coop oder Migros etwa verdienen, blieben die Fenaco-Löhne ein Geheimnis.

Wer dieser Tage mit Bauernvertretern im Bundesparlament sprach, erhielt immer die gleiche Antwort. Ob von Bauernpräsident Markus Ritter (CVP, SG), von Auktionator und Landwirt Andreas Aebi (SVP, BE) oder von Meisterlandwirt Jakob Büchler (CVP, SG), der Präsident der Landi Linth ist: Mehr als ein Bundesrat werde der Fenaco-CEO sicher nicht verdienen, heisst es unisono, das käme bei der Bauernschaft gar nicht gut an.

Erstmals publiziert die Fenaco jetzt die Chefgehälter. Im Geschäftsbericht 2014, der demnächst veröffentlicht wird. Die Zahlen liegen der «Schweiz am Sonntag» vor. Die Bauern werden staunen. Denn es zeigt sich: Die sechs Mitglieder der Fenaco-Leitung verdienten 2014 im Durchschnitt alle mehr als ein Bundesrat, der auf 445 000 Franken kommt.

Am meisten erhielt Fenaco-CEO Martin Keller, der brutto 648 000 Franken an Grundgehalt und Erfolgsbeteiligung bekam. 2013 waren es 636 000. Die Leistungskomponente kann rund 20 Prozent der Gesamtvergütung betragen. Wie hoch der ausbezahlte Bonus ist, wird nicht ausgewiesen. 2014 war ein sehr gutes Fenaco-Jahr. Betrug der Bonus 20 Prozent des Lohns, so läge Kellers Grundgehalt bei 520 000 Franken.

Die Gehälter der übrigen fünf Geschäftsleitungsmitglieder sind nicht einzeln ausgewiesen. Im Schnitt betrugen sie letztes Jahr 590 000 Franken (2013: gut 570 000). Auch da ist bis zu rund 20 Prozent Leistungslohn dabei.

Fenaco-Kommunikationschefin Alice Chalupny relativiert die stattlichen Gehälter: «Die Fenaco ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Die Vergütungen für unsere Geschäftsleitung orientieren sich an vergleichbaren Unternehmen aus ähnlichen Branchen sowie an Betrieben des Bundes. Sie liegen im unteren Bereich der Benchmark.»

Will heissen, die Gehälter sind sogar noch vergleichsweise tief. In einem internen Vergleich misst sich die Fenaco unter anderem mit Coop und Migros, deren Umsatz allerdings gut das Vierfache beträgt und die acht- bis zehnmal mehr Personal beschäftigen.

Coop, die den Lohn von CEO Joos Sutter nicht eigens ausweist, zahlte 2014 und 2013 gemäss Fenaco-Analyse exakt die gleiche Lohnsumme an ihre ebenfalls sechsköpfige Geschäftsleitung wie die Fenaco. Migros-CEO Herbert Bolliger bezog 904 000 Franken (2014) und 885 000 (2013). Der Durchschnitt der gewöhnlichen Migros-GL-Mitglieder lag 2014 bei 721 000 Franken.

Umgekehrt bezog Emmi-CEO Urs Riedener laut dem Fenaco-Vergleich 2014 ein Gehalt von 1,436 Millionen. Emmi-Umsatz und -Mitarbeiterzahl sind knapp halb so gross wie bei der Fenaco. Höher lagen auch Swisscom-CEO Urs Schaeppi mit 1,7 Millionen, Ruag-Chef Urs Breitmeier mit 992 000 Franken und Post-Chefin Susanne Ruoff mit 825 000.

Massiv höher als von der Branche erwartet ist der Lohn von Fenaco-Präsident Lienhard Marschall, einem Bauern aus Neuenegg BE. Er kam 2014 auf eine Gesamtentschädigung von 178 000 Franken. Der Schnitt der 17 restlichen Verwaltungsräte lag bei gut 36 000 Franken.

Laut Fenaco-Sprecherin Chalupny entspricht der Einsatz des Präsidenten einem Pensum von mindestens 50 Prozent. Der Aufwand sei grösser als in anderen vergleichbaren Firmen: «Alle zwei Wochen gibt es eine ganztägige Geschäftsleitungssitzung, an der der Präsident anwesend ist. Dazu kommen die monatlichen VR-Sitzungen, Einsätze an zahlreichen regionalen Anlässen und repräsentative Pflichten», sagt Chalupny.

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