Ein ungewöhnlicher Trend hat Deutschland erfasst. Sportvereine laden Hunderte Flüchtlinge ins Stadion ein. Ulm hat 100 Freikarten verteilt, Mainz 250 – und auf den Rängen des 1. FC Nürnberg standen zuletzt über 3500 Flüchtlinge.

Fifa-Präsident Sepp Blatter ist von der Idee begeistert. «Diese Aktion ist wirklich eine tolle Sache», sagt er auf Anfrage. «Die Klubs haben ein wunderbares Zeichen gegeben.» Ein Zeichen, das auch Schweizer Vereine anspornen soll. Schliesslich habe der Fussball die Kraft, gesellschaftliche und soziale Barrieren zu überwinden, sagt Blatter.

Flüchtlinge ins Fussballstadion einzuladen, erfüllt einen doppelten Zweck. Einerseits hilft der Besuch eines Spiels bei der Integration der Asylsuchenden. Sie lernen die Vereinskultur und Umgebung kennen – und erhalten «ein Zeichen des Willkommens», wie es der Nürnberger Oberbürgermeister nennt.

Andererseits lösen sie ein Problem, mit dem sich viele Vereine in den tieferen Ligen herumschlagen: den Zuschauerschwund. Das Dilemma ist überall dasselbe. Wenn niemand kommt, will auch niemand hingehen. Der FC Kreuzlingen will deshalb mit dem SC Brühl und dem FC Gossau aktiv werden. Mit Gratisspielen soll das Erlebnis «Amateurfussball» bei den Fans wieder vermehrt auf Anklang stossen. Flüchtlinge sind willkommen.

Auch im Oberhaus der Liga sind die Vereine interessiert. «Eine gute Idee, die wir gerne prüfen», heisst es beim FC Luzern, «äusserst sympathisch», finden sie die Grasshoppers, und auch der FC Zürich lobt das Engagement des FC Nürnberg.

In Städten mit hohem Ausländeranteil dürfte die Aktion gute Chancen haben. In der Branche gilt der Challenge-League-Klub FC Winterthur als besonders sozial engagiert. Einige Flüchtlinge aus den lokalen Durchgangszentren hat der Verein bereits zu Spielen eingeladen.

«Wir können uns gut vorstellen, die Aktion im grösseren Rahmen zu wiederholen», sagt Geschäftsführer Andreas Mösli. Er will Flüchtlinge aber nicht nur ins Stadion bringen, sondern sie integrieren. Die Jugendlichen sollen mittrainieren dürfen. Der Fussball durchdringe alle Kulturen, vereinfache die Völkerverständigung und könne so ein Gemeinschaftsgefühl zwischen Flüchtlingen und Schweizern schaffen, sagt Mösli. Die Idee ist auch bei den Integrationsstellen angekommen: Der Verein Netzwerk Asyl Aarau will den FC Baden anfragen, Flüchtlinge ins Stadion einzuladen.

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