Die Gesundheitskosten sind auch 2014 gestiegen. Gemäss ersten Zahlen zwar nur um 1,15 Prozent, aber die Zahl dürfte nach oben korrigiert werden – denn verzögert ausgestellte Rechnungen sind darin noch nicht enthalten. Experten gehen von einem tatsächlichen Kostenwachstum vom 3 Prozent aus. Jeder Versicherte beanspruchte die obligatorische Grundversicherung durchschnittlich mit 3515 Franken. Ein Jahr zuvor waren es noch 3475 Franken und vor 20 Jahren 1723 Franken. Das zeigen unveröffentlichte Zahlen des Datenpools der Krankenkassen.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Nach dem Rekordanstieg von 2013, als die Gesundheitskosten um fast 7 Prozent gestiegen sind, sei das Wachstum jetzt lediglich etwas abgeschwächt, sagt Paul Rhyn vom Krankenkassenverband Santésuisse.

Insgesamt schlugen die Kosten für Spitalaufenthalte, Arztbesuche, Medikamente, Laboruntersuchungen mit 28 Milliarden Franken zu Buche. Während andere Branchen keine Teuerung verzeichnen und die Schweiz insgesamt fallende Preise registriert, steigen die Gesundheitskosten unaufhaltsam. Um die prognostizierten zusätzlichen 3 Prozent Kosten zu decken, müssen die Versicherten fast eine Milliarde Franken mehr Prämien zahlen. Mit einer Prognose, wie sich die Prämien aufgrund dessen entwickeln, sind die Krankenkassen vorsichtig. Viele gehen von einem Anstieg von 3 bis 4 Prozent aus. «Die Prämien folgen den Kosten. Steigen die Kosten um 3 Prozent, kann man davon ausgehen, dass auch die Prämien um so viel steigen», sagt Stefan Heini von der Helsana.

Für Rhyn vom Krankenkassenverband steht fest, dass es künftig mehr Anreize für «kostensparendes Verhalten» braucht. Den Vorschlag von Alain Berset, die Maximalfranchise von 2500 Franken zu kürzen, geht für ihn deshalb in die falsche Richtung. Eingeführt hatte diese Höchstfranchise Bundesrat Pascal Couchepin vor zehn Jahren mit dem Ziel, «die Eigenverantwortung und das Kostenbewusstsein der Versicherten zu stärken». Denn je höher die Franchise ist, desto höher ist der Betrag, den Versicherte jährlich für medizinische Leistungen aus der eigenen Tasche zahlen. Heute haben 53 Prozent der Versicherten eine Mindestfranchise von 300 Franken und 14 Prozent die Maximale von 2500 Franken.

Dass das Rad nun zurückgedreht werden soll, ist auch für den Krankenkassenexperten des Internetvergleichsdienstes Comparis, Felix Schneuwly, unverständlich. «Vollkasko-Versicherungen schaffen keine Sparanreize. Wahlfranchisen schon», sagt er. Daher würde es Schneuwly als sinnvoll erachten, die Mindestfranchise für Erwachsene von 300 auf 3000 Franken zu erhöhen. «Die Prämien würden massiv sinken, weil jeder Bagatellfälle selber bezahlen müsste.» Und wer das Geld dafür nicht hätte, solle es von der Gemeinde bekommen anstatt durch Prämienverbilligungen nach dem Giesskannenprinzip.

Für die steigenden Kosten im Gesundheitswesen gibt es mehrere Gründe. So hat etwa die Dichte an Spezialärzten pro Einwohner kontinuierlich zugenommen. Zudem führt der medizinische Fortschritt zu immer neuen und teureren Behandlungen. Und auch die Menschen werden älter und leiden oft gleichzeitig an verschiedenen Krankheiten. Mit 12 Prozent sind die Kosten für Physiotherapien 2014 am stärksten gestiegen. Hauptkostenverursacher waren aber nicht für Physiotherapien, die sich pro versicherte Person auf rund 92 Franken beliefen, sondern die Spitalkosten (814 Franken) und die ärztlichen Behandlungen (770 Franken).

Weitere massnahmen könnten laut Gesundheitsexperte Schneuwly deshalb darin bestehen, die Tarife nach Fachärztedichte und Qualität der erbrachten Leistungen abzustufen. Würde heissen: Die Taxpunktwerte müssten bei zunehmender Fachärztedichte sinken, zum Beispiel Psychiater in Genf, und bei Ärztemangel steigen – etwa Hausärzte im Berner Oberland. «Dasselbe Prinzip könnte man auch für definierte Qualitätsindikatoren wie Behandlungsfehler oder Patientenzufriedenheit anwenden.» Wer hohe Qualitätswerte erzielt, bekommt einen Zuschlag und umgekehrt. «Nichts ist teurer als schlechte Qualität.» Und weil die freie Arzt- und Spitalwahl ohne transparente Qualität eine Farce sei, seien die Kosten nur mit einem Qualitätswettbewerb in den Griff zu bekommen.

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