Die Schweiz hat auch eine «Seestreitkraft». Die Motorbootkompanie 10 überwacht auf dem Lago di Lugano und Genfer- und Bodensee die Grenze mit 11 Patrouillenbooten 80. Sie sollen nun für 49 Millionen durch 14 Patrouillenboote 16 ersetzt werden. Das Geschäft kommt in der Herbstsession.

Dass die Boote aus Finnland stammen, stösst den Schweizer Bootbauern aber sauer auf. «Die Beschaffung ist abzulehnen», schreibt der Schweizerische Bootbauer-Verband in einem Brief an 24 National- und Ständeräte. Er liegt der «Schweiz am Sonntag» vor.

Pflichtenheft, Zeitplan und Einsatzdispositiv für das «absolut überdimensionierte Projekt» seien so angelegt worden, «dass nur das finnische Projekt realisiert werden kann», steht im Brief. Eine Ausschreibung habe in der Schweiz nie stattgefunden: «Das gesamte Beschaffungsprojekt ist undurchsichtig und bewusst gesteuert.»

Im November 2013 hatte Armasuisse den Bootbauer-Verband für den 8. April 2014 zu einem Termin eingeladen. Dabei seien Geschäftsführer David Clavadetscher drei Projekte von möglichen, im Ausland zu beschaffenden Patrouillenbooten präsentiert worden. Das Bootsgewerbe sei zuvor «für die Beschaffung in keiner Art und Weise beteiligt oder informiert» worden. «Es ist unverständlich, weshalb bereits bei der Evaluation ausschliesslich ausländische Lösungen angestrebt wurden.» Der Verband kritisiert, die Einladung sei «eine reine Alibiübung» gewesen. Dass das Vorgängerboot P-80 in der Schweiz gebaut worden sei, belege, «dass es im Grundsatz möglich ist».

Armasuisse dementiert Vorwürfe
Dass es sich beim Gespräch vom 8. April 2014 um eine Alibiübung gehandelt habe, bestreitet Kaj-Gunnar Sievert, Leiter Kommunikation von Armasuisse. «Sie bemüht sich bei Beschaffungen, die Schweizer Industrie sowie das Gewerbe im Rahmen der Möglichkeiten zu berücksichtigen.» Im Gespräch sei aber klar geworden, dass keine Schweizer Werft ein vergleichbares Patrouillenboot für Testfahrten zur Verfügung stellen könne. Auch fehle die Erfahrung im Bereich der Integration von Waffensystemen. «Die Bewaffnung des über 30 Jahre alten Patrouillenbootes 80 ist in keiner Art und Weise mit der ferngesteuerten, stabilisierten Waffenstation vergleichbar», sagt Sievert.

Er bestätigt, dass der Entscheid für das Patrouillenboot 16 auf einem Einladungsverfahren basiere. Weil das Boot als Kriegsmaterial gelte, sei das rechtlich zulässig. Zudem seien Schweizer Firmen im Rahmen des Offsets sehr wohl beteiligt – bei Innenausbau und Ausrüstung. Sievert: «Den Vorwurf, Armasuisse habe sich zu wenig um eine Schweizer Lösung bemüht, weisen wir zurück.»

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