Bei der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) bleibt kein Stein auf dem anderen. Wie die «Schweiz am Sonntag» erfahren hat, startet die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) Ende Juni eine Untersuchung des Start-up-Bereichs. In den vergangenen Wochen kam eine Reihe von Fakten an die Oberfläche, welche die Kommission und ihre Führung belasten. Es geht um jahrelange Zahlungen an externe Berater, die Jungunternehmen im Auftrag des KTI coachen. In internen Berichten ist von einer «sukzessiven» und «schleichenden Kumulation» von Aufträgen die Rede, die «automatisch» und «ausserhalb» des Wettbewerbs» vergeben wurden (die «Schweiz am Sonntag» berichtete).

Die Finanzkontrolle, die den Start-up-Bereich seit längerem auf dem Radar hat, will der Sache nun auf den Grund gehen. Dabei wird sie unter anderem überprüfen, ob es zu Unregelmässigkeiten bei der Vergabe von Mandaten an Coaches gekommen ist und ob die KTI die internen Regeln, die sie in den letzten Monaten anpassen musste, auch tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden.

Die EFK wird aber auch direkt bei den Coaches ansetzen, die im Mandatsverhältnis für die Kommission arbeiten. Unter anderem bei einem Headcoach, dessen Vertrag Ende Mai nach elf Jahren Beratungstätigkeit nicht mehr verlängert wurde. Ein Grund für dessen Absetzung war, dass die von der KTI festgesetzte persönliche Auftragslimite von 160 000 Franken pro Jahr laut internen Berichten massiv überschritten wurde.

KTI-Präsident Walter Steinlin bestätigt auf Anfrage die Untersuchung durch die EFK, die inzwischen mit den Vorbereitungen begonnen hat. Offiziell wird die Untersuchung am 29. Juni starten und voraussichtlich in zwei bis drei Wochen abgeschlossen sein. Sämtliche Stellen, die sich der Untersuchung unterziehen müssen, wurden bereits informiert.

Derweil sucht die KTI einen neuen Head Coach für den Start-up-Bereich. Ein Kritikpunkt der EFK ist, dass die Coaches und Head Coaches in der Vergangenheit nicht ordentlich ausgeschrieben, sondern in einem intransparenten Verfahren rekrutiert wurden. Pikant ist nun, dass gemäss Ausschreibung lediglich solche Kandidaten zugelassen sind, die bereits Erfahrungen als KTI-Coach gesammelt haben. Die Vergabe des lukrativen Mandats ist somit auf eine beschränkte Anzahl Kandidaten limitiert. Insgesamt arbeiten derzeit gut 60 Coaches für die KTI. Wie zu vernehmen ist, wird die EFK überprüfen müssen, ob diese Vergabepraxis rechtens ist.

Die KTI gab im Jahr 2013 10,5 Millionen Franken für die Start-up-Förderung aus. Mit diesen Subventionen werden Kurse für Jungunternehmer finanziert und individuell Einzelcoachings für Jungfirmen angeboten. Pro Jahr bewerben sich 180 Jungunternehmen für ein Coaching. Davon erhalten gemäss KTI rund 80 einen Coach, der den Unternehmen während ein bis drei Jahren zur Verfügung steht.

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