Michael Lauber, geboren 1965, schloss 1992 sein Rechtsstudium an der Universität Bern mit dem Anwaltspatent ab. Als Student war er der Studentenverbindung Zofingia beigetreten, wo er den Biernamen «Quetsch» erhielt.

Reto Zbinden, geboren 1965, studierte ebenfalls Recht an der Uni Bern, wo er das Anwaltspatent erlangte. Auch Zbinden trat der Zofingia bei. Er erhielt den Couleurnamen «Atomic Smile».

Heute ist Michael Lauber Bundesanwalt, Reto Zbinden Gründer und Inhaber einer IT-Sicherheitsfirma, die er bereits 1989 gegründet hat: Swiss Infosec.

Die Couleurbrüder sind auch geschäftlich verbunden. Die Swiss Infosec erhielt von der Bundesanwaltschaft in den letzten Jahren fünf Aufträge im Gesamtwert von rund 364 000 Franken. Das geht aus einer Auflistung hervor, deren Herausgabe die «Schweiz am Sonntag» via Öffentlichkeitsgesetz von der Bundeswaltschaft erwirkt hat.

Die Auflistung zeigt: Alle fünf Aufträge im Bereich Informatiksicherheit hat die Bundesanwaltschaft freihändig, also ohne Ausschreibung vergeben. Auf den ersten Blick ist das zulässig, weil das jeweilige Auftragsvolumen unter der Ausschreibungsschwelle von 50 000 Franken lag. Offen ist aber, ob Aufträge gestückelt wurden, damit sie unter der Ausschreibungsgrenze lagen.

Anfrage bleibt unbeantwortet
Erst nach wiederholter Anfrage zur Auftragsvergabe unter «Zofingern» antwortete die Bundesanwaltschaft am Freitag: «Die BA vergab als unabhängige Behörde Aufträge an die Swiss Infosec, weil diese insbesondere im Bereich der Informationssicherheit schweizweit über langjährige Erfahrung verfügt.» Eine Anfrage an Swiss Infosec zur Zofingia-Connection, schon im Juni gestellt, blieb bis dato unbeantwortet.

Seit langem halten sich im Umfeld der Bundesanwaltschaft Gerüchte um sogenannte Amigo-Praktiken, also Vettern- und Günstlingswirtschaft: Auffallend oft erhielten die gleichen Firmen Aufträge ohne Ausschreibung. Die Aufträge wurden teilweise gestückelt, damit sie nicht ausgeschrieben werden mussten.

Die andere Firma, die gemäss hartnäckigen Gerüchten durch die Leitungscrew um Bundesanwalt Lauber bevorzugt wurde, ist das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC).

Auch hier fördert die per Öffentlichkeitsgesetz erwirkte Liste Sonderbares zutage: Demnach erhielt PwC ab Anfang 2012, dem Amtsantritt von Bundesanwalt Lauber, acht BeratungsAufträge im Gesamtwert von rund 708 000 Franken. Auch diese Aufträge vergab die BA freihändig.

In zwei Fällen begründet die BA das mit Artikel 13 der Beschaffungsverordnung. Demnach handelte es sich um Folgeaufträge, die zwangsläufig nur an den ursprünglichen Anbieter, also PwC, vergeben werden konnten. So kam es etwa, dass beim Projekt «transform it» einem Auftrag im Umfang vom 67 200 Franken nahtlos einer von 164 160 Franken folgte, weil es angeblich keine andere Möglichkeit gab.

Die Aufträge an PwC sind zusätzlich brisant, weil der heutige Generalsekretär und Personalverantwortliche der Bundesanwaltschaft, Mario Curiger, von PwC kam. Bundesanwalt Lauber beschäftigte ihn zunächst als externen Berater, stellte ihn dann fest in einer extra geschaffenen Kaderfunktion ein.

Gemäss Bundesanwaltschaft war alles rechtens: «Die Auftragsvergaben der BA an die PWC erfolgten – wie jene an die anderen Auftragnehmer auch – gestützt auf die einschlägigen rechtlichen Grundlagen. Die einstige Funktion von Herrn Curiger bei der PWC hatte auf die Auftragsvergaben keinen Einfluss.»

TI: Stückelungsverbot verletzt?
Die «Schweiz am Sonntag» unterbreite die Liste der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI). Beschaffungsexperte und Bundesverwaltungsrichter Marc Steiner geht davon aus, dass es hier um Dienstleistungen gehe, die bis zu 150 000 Franken freihändig vergeben werden dürften. «Es gibt auch nicht eine spezifische gesetzliche Vorgabe, wonach man bei freihändigen Vergaben abwechseln bzw. möglichst viele verschiedene Anbieter berücksichtigen muss», so Steiner. Aber: Es sei mit Blick auf die Zielsetzung des Beschaffungsgesetzes (Transparenz, Wettbewerb, wirtschaftlicher Mitteleinsatz, Gleichbehandlung) «fragwürdig, wenn sich eine Anbieterin darauf verlassen kann, regelmässig den Löwenanteil der freihändigen Aufträge zu erhalten. Sie hat dadurch einen Anreiz, dies im Sinne überhöhter Gewinnmargen beim Offerieren zu berücksichtigen», hält Steiner fest. Das nenne man «rent seeking». «Ausserdem muss eine gewisse Massierung von Aufträgen beim selben Anbieter aus TI-Sicht verwaltungsinterne Controlling-Mechanismen auslösen. Dies mit Blick auf die Möglichkeit, dass das Zerstückelungsverbot verletzt worden ist.»

Zerstückeln heisse, so der TI-Experte und Richter, «dass grosse Aufträge in kleine aufgeteilt werden, um die Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung zu umgehen. Das war auch ein Teilelement des Insieme-Debakels.»

Insieme, der IT-Skandal der Steuerverwaltung des Bundes: Die BA klagte einen IT-Verantwortlichen dafür an. Warf ihm unter anderem vor, er habe Aufträge gestückelt, um sie freihändig an Kumpel vergeben zu können.

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