Fifa-Präsident Joseph Blatter will den europäischen Fussballverband Uefa entmachten. An einer Medienkonferenz von vergangener Woche in Zürich sagte Blatter, die Uefa sei im Exekutivkomitee, der Regierung des Weltfussballverbands Fifa, übervertreten.

Zurzeit hat die Uefa im 25-köpfigen Gremium acht Sitze, also einen Drittel der Stimmen. Zudem sind drei der acht Vizepräsidenten Europäer.

Das widerspreche den «demokratischen Grundsätzen» im Verband, sagte Blatter. «Das ist eine Angelegenheit für den nächsten Reformschritt.» Nach seiner Vorstellung sollen die Sitze im Exekutivkomitee gemäss dem Gewicht der sechs Kontinentalverbände im Kongress, dem Fifa-Parlament, verteilt werden. Das würde bedeuten, dass die Uefa zwei Sitze verlieren würde. Auch die Südamerikaner hätten zwei Vertreter weniger. Gewinner wären die Asiaten (plus zwei Sitze), die Afrikaner und die Nord- und Mittelamerikaner (je plus ein Sitz).

Blatters Rechnung: Im Kongress hat jeder der 209 Nationalverbände eine Stimme. Die Winzlinge Samoa, Tonga und Guam haben also gleich viel zu sagen wie die Fussball-Schwergewichte Deutschland, Italien und Frankreich. Die Uefa mit ihren 54 Mitgliedern hat ein Stimmengewicht von 26 Prozent. Macht sechs Sitze im Exekutivkomitee.

Hat Blatter mit seiner Forderung Erfolg, würden sich die Gewichte innerhalb der Fifa wesentlich verschieben. Die Chance, dass eine Fussballweltmeisterschaft nach Europa vergeben wird, würde sinken. Gleichzeitig hätte es Blatter einfacher, jene Reformen durchzudrücken, die er will. Und jene abzublocken, die er nicht will. Denn er weiss viele kleine Nationalverbände aus Afrika, Mittelamerika, der Karibik, Asien und Ozeanien hinter sich, während ihm die Uefa als mächtigster Kontinentalverband immer wieder auf die Füsse tritt.

So forderte die Uefa vor einem Jahr eine Amtszeitbegrenzung für den Fifa-Präsidenten. Das war direkt gegen Blatter gerichtet, der bereits die vierte Amtszeit absolviert. Der 78-Jährige liebäugelt nun sogar mit einer fünften Amtsperiode. Da ist es möglicherweise geschickt, die Verbände aus Asien, Afrika und Nordamerika mit der Aussicht auf mehr Macht im Exekutivkomitee zu locken.

Diese Woche kam es zur Kampfansage von Uefa-Präsident Michel Platini, einem ehemaligen Getreuen Blatters, der zum erbitterten Gegner geworden ist. Am Uefa-Kongress sagte Platini mit Blick auf die Wahl zur Fifa-Präsidentschaft 2015: «Nur eine Person könnte Blatter schlagen.» Er meinte sich selbst.

Platini warf Blatter in einer Rede vor, sich im Kampf gegen undurchsichtige Transfers und illegale Spielervermittler «hinter Kommissionen, Unterkommissionen, Berichten von Expertengruppen und wissenschaftlichen Studien zu verschanzen». Blatter müsse den Mut haben, «diese Angelegenheit ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen».

Umgekehrt wirft Blatter den Europäern vor, Reformen im Kampf gegen Korruption abzublocken. Die Uefa und der mächtige Deutsche Fussball-Bund lehnen eine Ethikkommission und ein Ethikreglement in den nationalen Verbänden ab. Sie stemmen sich auch gegen die Schaffung einer unabhängigen Verbandsjustiz. Diese hatte die Fifa nach etlichen Korruptionsskandalen eingeführt.

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