Es ist eine mässig freundliche Aktion der Franzosen: Seit kurzem bietet die Staatsbahn SNCF ab Genf Auslandsreisen nach Mailand, Paris, Marseille und Nizza an. Allerdings nicht auf der Schiene, sondern auf der Strasse. Ab 19 Euro kutschiert die SNCF-Bustochter iDBUS die Westschweizer in die ausländischen Metropolen. Im Gegensatz zur Organisation TGV Lyria, die für den Schienenverkehr zwischen der Schweiz und Frankreich zuständig ist, sind die SBB nicht am Unternehmen beteiligt, sie verdienen nichts an den Busreisen.

Konkurrenz erwächst den SBB zudem von der Deutschen Post auf der Achse Deutschland–Schweiz–Italien. Deren Fernbus-Tochter Postbus, die bereits seit längerem zweimal täglich Zürich anfährt und mit deutschen Städten verbindet, arbeitet neu mit dem Bus-Unternehmen Eurolines zusammen und betreibt nun eine tägliche Verbindung von Frankfurt über Stuttgart und Zürich nach Mailand und weiter nach Turin. Ab 33 Euro gehts von Zürich nach Mailand, gebucht werden kann die Verbindung zurzeit allerdings erst bei Eurolines.

Einen weiteren Ausbau in der Schweiz kündigt der deutsche Fernbus-Betreiber MeinFernbus Flixbus an. Bereits seit Donnerstag fahren die grünen Busse des Unternehmens erstmals Basel an, im August ist ein weiterer Ausbau geplant. Basel erhält damit mehrmals täglich Busverbindungen nach Mailand und in grosse deutsche Städte, und zwischen Zürich und Mailand verkehrt dann viermal täglich ein Bus des Marktführers.

Die Bundesbahnen reagieren zurückhaltend. Man beobachte die Situation, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Der Fokus der SBB liege aber nach wie vor auf dem Schienenverkehr, ein Ausbau des eigenen Busangebots sei derzeit nicht geplant. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn (DB) betreiben die SBB einen mehrmals täglich verkehrenden Bus zwischen Zürich und München. Auf den Strecken zwischen der Schweiz und Deutschland ist die Konkurrenz durch die deutschen Fernbus-Betreiber, die Dutzende deutsche Städte mehrmals täglich mit der Schweiz verbinden, besonders intensiv.

Auf der Schiene will die Bahn dafür wieder zulegen – und plant das Revival der Drei-Länder-Züge durch Italien, die Schweiz und Deutschland. 2006 wurde die durchgehende Verbindung Mailand–Zürich–Stuttgart eingestellt. Nun arbeiten die Staatsbahnen Deutschlands, Italiens und der Schweiz an der Einführung einer direkten Verbindung zwischen Frankfurt und Mailand.

Angedacht ist eine Verbindung über Zürich und Basel und eine über Zürich, Schaffhausen und Stuttgart, wie ein Sprecher der italienischen Trenitalia bestätigt. Wann die Verbindungen eingeführt werden und mit welcher Frequenz, ist noch unklar. In einem Dokument der Italiener ist die Rede von zwei täglichen Verbindungen. Dies hänge allerdings vom Marktverhalten und den freien Trassees ab, heisst es bei Trenitalia. Anders als bei den heutigen Verbindungen zwischen Italien und der Schweiz, auf denen Neigezüge von Alstom eingesetzt werden, will Trenitalia die Verbindungen mit den als «Frecciarossa» benannten Zügen von Bombardier führen, wie der Sprecher sagt. Auch ein Einsatz der neuen Gotthard-Züge des Schweizer Herstellers Stadler ist denkbar. Sicher sei dies allerdings noch nicht, heisst es beim zweiten Partner, der Deutschen Bahn (DB). Welche Bahn das Rollmaterial in die Verbindung einbringe, sei noch nicht entschieden, sagt ein DB-Sprecher. Es handle sich um langfristige Pläne, heisst es zu der neuen Verbindung bei den SBB.

Bereits in naher Zukunft wird die Strecke Zürich–Stuttgart aufgewertet. Ab Ende 2017 sollen dort neue Doppelstock-Züge der Deutschen Bahn verkehren. Die neuen Doppelstock-Züge der SBB, die ab Ende 2016 ausgeliefert werden, sollen zudem bis nach München verkehren – als Verlängerung der heutigen Intercity-Züge zwischen Genf und St. Gallen. Vor 2020 dürfte dies aber mangels Elektrifizierung der Strecke auf deutschem Boden kaum der Fall sein.

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