«Die Ausländer haben genug davon, dass sie ständig zum Sündenbock gestempelt werden», sagt Ricardo Lumengo. Jetzt geht der grüne Berner Nationalrat in die Offensive: Per Gesetz soll in der Schweiz ein nationaler Ausländer-Feiertag eingeführt werden.

Nächste Woche reicht Lumengo eine parlamentarische Initiative ein – unter dem Titel «Tag der Integration als Feiertag». Entstanden ist die Idee in Migrantenorganisationen, Lumengo trägt das Begehren nun ins Parlament. Wörtlich heisst es im Initiativtext:
«Einmal pro Jahr, an einem bestimmten Tag, wird in der Schweiz der Tag der Integration der Ausländer (eventuell als bezahlter Feiertag) gefeiert.»

«Um diesen Feiertag zu etablieren, wird die Bundesverfassung oder das Arbeitsgesetz entsprechend geändert.» Bisher gibt es in der Schweiz nur einen staatlichen Feiertag, der landesweit gilt: den 1. August. Alle anderen Festtage liegen in der Kompetenz der Kantone. «Die Lancierung eines neuen nationalen Feiertags für Integration ist eine Reaktion auf die ständigen Angriffe und Attacken auf die Ausländer», sagt Lumengo.

Laut Vorstoss gibt der neue Feiertag den Schweizern «die Gelegenheit, den Migrantinnen und Migranten ihre Wertschätzung zu zeigen». Ziel sei es, die gegenseitigen Beziehungen zu verstärken, «an diesem Feiertag sollen Schweizer und Ausländer gemeinsam feiern». Zudem sollen auch Kurse, Seminare und Konferenzen zur Integration stattfinden.

«Wir unterstützen diesen Vorstoss», sagt Ivica Petrusic, Vizepräsident von Secondos Plus, einer überparteilichen Vereinigung von Migranten mit über 500 Mitgliedern. «Ein Integrationsfeiertag entspricht der heutigen Schweiz viel mehr als der 1. August, der ein Ereignis feiert, das über 700 Jahre zurückliegt.» Ein Feiertag müsse die Gesellschaft abbilden – und die sei heute multikulturell: «Von den 7 Millionen Einwohnern der Schweiz sind 1,7 Millionen Ausländer.»

Auch ein Ausländer-Streik wird nun geprüft. «Weiterführend zum Integrations-Feiertag diskutieren wir einen Arbeitsniederlegungstag der Ausländer», bestätigt Petrusic. «Die Migranten werden oft negativ wahrgenommen, tragen aber viel zum Wohlstand der Schweiz bei. Ein Streik ist eine gute Möglichkeit, das sichtbar zu machen.»

Tatsächlich würde der Wirtschaftsmotor ohne Ausländer ins Stottern geraten. Ende 2010 waren gemäss Bundesamt für Statistik 988000 Ausländer erwerbtätig. Das entspricht 23 Prozent aller Erwerbstätigen. Im Gastgewerbe stellen sie 42 Prozent der Arbeitskräfte, auf dem Bau 34 Prozent.

«Die SVP behauptet immer, dass die Ausländer die Schweiz missbrauchen», sagt Antonio Hodgers, Fraktionspräsident der Grünen und Mitglied bei der Organisation «Die gewählte Stimme», einer Vereinigung von 30 nationalen, kantonalen und kommunalen Parlamentariern mit Migrationshintergrund. «In Wirklichkeit bringen Ausländer mehr, als sie benützen. Darum ist eine Arbeitsniederlegung eine gute Idee, wenn sie von vielen befolgt wird.»

Die Organisation «Gewählte Stimme» wird die Idee eines Arbeitsniederlegungstags der Ausländer an ihrer Sitzung von nächster Woche diskutieren.

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