Für die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi gibt es nur eine Lösung: «Doris Fiala sollte auf die 50 000 Franken verzichten.» Eine so hohe Entschädigung sei mit dem Präsidium einer gemeinnützigen, von Spendengeldern abhängigen Organisation nicht vereinbar. «Man muss sich nur vorstellen, wie viele Spendenbeiträge à 50 Franken allein für diese 50 000 Franken nötig sind», sagt Egerszegi. «Es hat Doris Fiala offenbar an Sensibilität gefehlt.»

Seit der «Tages-Anzeiger» darüber berichtet hat, dass Fiala sich für das Präsidium der Aidshilfe Schweiz jährlich eine Pauschale von 50 000 Franken auszahlen lässt, reisst die Kritik an der Zürcher FDP-Nationalrätin nicht ab. Mit Egerszegis Forderung wird jetzt sogar Druck aus der eigenen Partei aufgebaut. «Ich bin enttäuscht», sagt Egerszegi. «Für mich ist das unverständlich: Mir ist der Mund offengeblieben, als ich das gelesen habe.»

Egerszegi schaut mit Staunen und Bewunderung auf die zusätzlichen 150 000 Franken, die Fiala seit ihrer Wahl zur Präsidentin am 21. Januar bereits für die Aidshilfe gesammelt haben will. «Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, Gelder für gemeinnützige Anliegen zu beschaffen», sagt Egerszegi. Aber wenn Doris Fiala das so erfolgreich mache, dann hätte sie dies auf Mandatsbasis tun sollen. «Es braucht eine strikte Trennung von Mandat und Präsidium. Die Präsidentin hat schliesslich auch immer eine Vorbildfunktion.» Sie wehre sich vehement dagegen, dass jede Leistung für gemeinnützige Organisationen entlöhnt werden müsse.

Auf der Parlamentshomepage gibt Christine Egerszegi selbst nicht weniger als 19 Interessensbindungen an, 9 davon sind Mandate in Stiftungsräten. Die meisten erfülle sie ehrenamtlich, erhalte dafür weder Spesen noch Lohn. «In einem Fall erhalte ich 150 Franken Sitzungsgeld.» Was ihr knapp 1000 Franken pro Jahr einbringen dürfte. Das sei die höchste finanzielle Entschädigung für ihre Stiftungsarbeit.

Doris Fiala, die das Präsidium bei der Aidshilfe als «Ehrenamt» bezeichnete, will keinesfalls auf die 50 000 Franken verzichten: «Ein Verzicht wäre ein Schuldeingeständnis, das gar nicht gerechtfertigt wäre», sagt die Nationalrätin. «Ich habe kein schlechtes Gewissen. Es ist ein strategischer Entscheid der Aidshilfe Schweiz, das Präsidium zu professionalisieren.» Mit dem Geld würde schliesslich nicht nur ihre Arbeit entschädigt, sondern auch die Verantwortung, die sie für die sich in «der Krise befindende Organisation» trage.

Fiala hält auch nichts vom Vorschlag, auf Mandatsbasis für die Aidshilfe Schweiz zu arbeiten. «Wenn ich das Fundraising auf Kommissionsbasis mache würde, dann käme das viel teurer.» Und als Präsidentin leiste sie mehr als reines Fundraising. Sie sei auch fürs Krisenmanagement und die Rettung der Aidshilfe Schweiz verantwortlich.

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