Was darf sich ein Fussballstar gegenüber einem Fotografen erlauben? Er darf, wie das Beispiel Benjamin Huggel zeigt, zumindest gegen einen «Blick»-Fotografen ungestraft tätlich werden.

Wie erst jetzt publik wird, ereignete sich in der Kabine des FC Basel im Rahmen der meisterlichen Festivitäten nach dem Spiel gegen Thun ein ernsthafter Vorfall. Es ist ein schöner Brauch im Fussball und im Eishockey, dass die Kabine des Meisters nach vollbrachter Heldentat für die Vertreter der Medienzunft geöffnet wird. Bier- und Champagnerduschen gehören in der ausgelassenen Stimmung schon mal dazu. Bei Basels Titelgewinn kam es dabei zu einem Angriff auf Christoph «Toto» Marti, Fotoreporter des «Blicks».

«Toto» ist einer der besten Sportfotografen in unserem Land. Ein charmanter, witziger junger Mann mit Gespür und Auge für die spezielle Situation. Von gewinnendem Wesen und Wirken. Kein Provokateur.

Verschiedene Schilderungen ermöglichen die Rekonstruktion des Tatherganges: Offenbar wird bei der Bier- und Champagnerdusche gezielt Martis Kamera gesucht. Jedenfalls geht die gut zehntausendfränkige Bildermaschine kaputt.

Marti wehrt sich, er schubst Benjamin Huggel und der kommt zu Fall. Die Reaktion scheint heftig. Sie wird von Martis Berufskollegen fotografisch dokumentiert. Huggel packt den «Blick»-Fotografen am Hinterkopf. Auf weiteren Fotos ist zu sehen, wie Huggel mit einer Flasche in der Hand offenbar gegen Marti vorzugehen versucht, und wie sich eine Kollegin bemüht, den Angriff zu unterbinden. Es ist der gleiche Spieler, der seinerzeit wegen unflätigen Benehmens von der Fifa nach der Skandal-WM-Qualifikationspartie von Istanbul für vier Spiele aus dem Länderspiel-Verkehr gezogen worden ist.

Der «Blick» hat auf diesen Angriff nicht reagiert, ja vom FC Basel nicht einmal Aufklärung verlangt, und die defekte Kamera selber bezahlt. Marti schweigt sich, wohl auf interne Anweisung, zu diesem Vorfall aus. Aber mehrere seiner Berufskollegen sind nach wie vor über den Zwischenfall empört. Vizepräsident Dr. Bernhard Heusler, der beim FC Basel die operativen Geschäfte leitet, sagt, der FCB habe in der Sache von der «Blick»-Gruppe keine offizielle Anfrage erhalten.

Felix Bingesser, der Sportchef der Boulevardzeitung, bestätigt, nichts unternommen zu haben. Es gebe verschiedene Schilderungen des Zwischenfalles, und vielleicht sei ja Marti auch ein wenig selber schuld. Und gibt zu bedenken, man wolle beim FC Basel immer ganz nahe dran sein, und wenn man da etwas unternommen hätte, wäre womöglich das nächste Mal die Kabinentüre zu. Man brauche halt auch immer wieder etwas vom FC Basel. Ein Interessenkonflikt – und im Zweifelsfall fürs Business und gegen den eigenen Reporter.

Im Ausland werden Übergriffe Medienschaffende rigoros bestraft: Dominik Hasek, einer der besten Goalies der Welt, ist beispielsweise von der NHL während der Playoffs (!) für drei Spiele gesperrt und mit 10000 Dollar gebüsst worden, weil er den Journalisten Jim Kelly im Kabinengang attackiert hatte. Kelly hatte Hasek in einer Kolumne einen Simulanten genannt.

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