Kann einem Abstimmungskomitee etwas Besseres passieren, als Nicolas G. Hayek auf seiner Seite zu haben, den vielleicht glaubwürdigsten Unternehmer der jüngeren Schweizer Geschichte? Eifrig verbreiteten Politiker, darunter die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, am vergangenen Mittwoch einen Tweet, in dem mit einem Zitat und einem Foto des Uhrenkönigs, der vor fünf Jahren gestorben ist, für die Erbschaftssteuer-Initiative geworben wird. Über dieses Volksbegehren stimmt die Schweiz am 14. Juni ab.

War Hayek, der kantige Familienunternehmer, tatsächlich ein Befürworter der Erbschaftssteuer?

Die «Schweiz am Sonntag» fragte bei den Urhebern der Hayek-Werbung nach. Es sind die Gebrüder Meili, also die drei Zürcher Erbmillionäre, die sich im Abstimmungskampf an vorderster Front für die Initiative einsetzen – und dafür eine halbe Million Franken investieren. Die PR-Agentur Feinheit führt für die drei Brüder die Kampagne.

Deren Sprecher reagiert einigermassen verdattert auf die Frage. «Wir zitieren Herrn Hayek sicher richtig», antwortet er. «Ich muss mit unseren Social-Media-Guys aber noch anschauen, wie das genau ist.»

Hayek wird wie folgt zitiert: «Der Reichtum hockt am falschen Ort und denjenigen, die etwas bewegen wollen, fehlt das Geld.» Der Unternehmer hat das tatsächlich gesagt, in einem Zeitungsartikel im Jahr 1998. Aber wie lässt sich daraus ableiten, dass Hayek für die Erbschaftssteuer war? Der Sprecher der Meilis sagt dazu: «Wir behaupten ja gar nicht, dass Herr Hayek für diese Steuer ist.»

Nun, der Tweet wird mit dem Hashtag #Erbschaftssteuer abgeschlossen. Und er wird über ein Twitter-Konto verbreitet, dessen Link direkt auf eine Website führt, über der ein grosser Titel prangt: «Die Erbschaftssteuer ist die fairste Steuer überhaupt.» Der Sprecher räumt nun ein: «Okay, der Tweet ist nicht ganz glücklich.» Auf die Idee, die Hayek-Werbung aus den sozialen Medien zu entfernen, kommt die Agentur Feinheit aber nicht.

Dafür will nun Swatch-Group-Chef Nick Hayek sorgen, der Sohn des Firmengründers. «Mit meinem verstorbenen Vater zu werben, ist eine absolute Frechheit», sagt er. «Dieses Zitat hat nichts mit der Steuer zu tun, das ist missbräuchlich.» Sein Vater sei kein Anhänger der Erbschaftssteuer gewesen, ebenso wenig wie er selbst. «Die Verwendung meines Vaters als Zeugen für diese Initiative kann ich nicht akzeptieren, wir werden gegen die Urheber vorgehen», kündigt Nick Hayek an.

Der Konzernchef hat kürzlich seine Haltung zur Initiative dargelegt, die eine neue Bundessteuer von 20 Prozent auf Nachlässe von über 2 Millionen Franken einführen will. «Ich bin immer skeptisch bei Steuern auf Vermögenswerten, die bereits einmal oder zweimal versteuert sind», sagte Hayek in der «Handelszeitung». Seine Familie habe einen Grossteil ihres Vermögens in der Swatch Group. Bei einem Erbgang würden darauf Steuern anfallen. Die Folge: «Das wäre wahrscheinlich nur mit einem Verkauf von Aktien möglich», so Hayek. «Auch für viele KMU und Familienfirmen wäre eine Annahme langfristig ein Problem.»

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