Das Mitmach-Web wird zum Seniorensport. Immer mehr Schweizer Pensionäre sind auf Facebook aktiv. Seit Jahresbeginn luden jeden Tag im Schnitt 100 Rentner ihr Profil hoch. Sie sind die am schnellsten wachsende Gruppe, wie eine Studie von Social Media Schweiz zeigt.

Demnach waren im Januar 48000 Nutzer aus der Generation 64+ auf Facebook registriert – Ende April zählte das blaue Portal bereits 62840 Rentner, ein Plus von 30 Prozent.

Zwar liegt die Zahl der jüngeren Facebook-Semester um ein Vielfaches über jener der Ruheständler – doch Opa und Oma holen auf. «Der Trend, sich dem neuen Medium zu öffnen, entspricht dem Lebensgefühl dieser Generation», sagt Stefan Schär, Chef von Social Media Schweiz. «Sie sind aktiv, gegenüber Neuem aufgeschlossen und wollen die Möglichkeit nutzen, sich mit Freunden und Bekannten auszutauschen und am Leben ihrer Kinder und Grosskinder verstärkt teilzuhaben.»

Bestes Beispiel für das Treffen der Generationen auf Facebook ist Gründer Mark Zuckerberg: Er spielt mit seiner Grossmutter online Scrabble.

Der Senioren-Boom auf Facebook ist vor allem auf die Männer zurückzuführen. Sie stellen 56 Prozent der Schweizer Online-Pensionäre. «Es gibt bei Facebook einen grossen Nachholbedarf», sagt Hans Rudolf Schelling vom Zentrum für Gerontologie an der Uni Zürich. Zudem gebe es bei den 65- bis 70-Jährigen «ein starkes Interesse an den Neuen Medien». Sie hätten meist schon im Beruf damit Bekanntschaft gemacht – und pflegten das im Ruhestand weiter. Höher ist die Hürde für Frauen, die nicht berufstätig waren, und bei den über 80-Jährigen. «Sie nutzen das Internet kaum», so Schelling.

Für die «Silver Surfer» gibt es spezielle Seniorenkurse, die sie fit trimmen für das World Wide Web. Pro Senectute führte letztes Jahr 1516 Kurse durch – über Computer, Mobiltelefonie, Bildbearbeitung und digitales Fotobuch. «An den Kursen haben insgesamt 8773 Personen teilgenommen», sagt Judith Bucher von Pro Senectute.

Die Migros Klubschulen haben derzeit 15 Kurse «Internet Basis 50+» ausgeschrieben. Sie finden tagsüber statt, «damit richten wir uns vor allem auch an Senioren», sagt Ariane Lang vom Migros-Genossenschaftsbund. Im Programm steht auch der Kurs «Twitter, Flickr, Facebook & Co» – er wurde seit letztem September von 100 Teilnehmern besucht.

Der Facebook-Boom bei den Senioren sei vor allem auf «familiäre Auswirkungen» zurückzuführen, sagt Gerontologie-Forscher Schelling. Wenn die Enkel erzählen, sie hätten Fotos von sich hochgeladen, motiviert das viele Pensionäre, bei Facebook mitzumachen.

Doch wo die Grosseltern auftauchen, sind die Eltern schon längst – zum Ärger vieler Kids. Jetzt formiert sich der Widerstand gegen Mutti, die alles mitliest: «Eltern entfacebooken» fordern Jugendliche und haben eine entsprechende Gruppe gegründet – natürlich auf Facebook.

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