Sie sind gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau und haben einen Holocaust-Leugner in ihren Reihen: Derzeit prüft Papst Benedikt XVI., ob die umstrittene Piusbruderschaft wieder in die Kirche aufgenommen werden soll.

Die Schweizer Bischöfe verfolgen das Geschehen mit Sorge, wie «Der Sonntag» aus gut informierten Kreisen erfuhr. Denn eine Wiedereingliederung der Piusbrüder könnte für die katholische Kirche in der Schweiz weitreichende Folgen haben. So befürchten die Bischöfe, dass die Piusbrüder ihre strengen Lehren innerhalb der Kirche in der Schweiz verbreiten, ohne dass die Bischofskonferenz eine Kontrollmöglichkeit hat. Auch erstaunt die Bischöfe, dass sie bisher vom Vatikan über das Thema nicht offiziell informiert oder angehört wurde.

«Es bestehen diesbezüglich keine Kontakte zum Vatikan», bestätigt Walter Müller, der Sprecher der Bischofskonferenz. Die Schweiz ist von einer möglichen Wiederaufnahme der Piusbrüder in die Kirche besonders betroffen, weil die Gemeinschaft ihre Wurzeln im Kanton Fribourg hat. Das Haupthaus befindet sich in Menzingen ZG im Bistum Basel. Das grösste Seminar der Piusbrüder ist im Bistum Sitten. Und im Bistum St. Gallen unterhalten die strengen Katholiken mehrere Schulen.

Derzeit baut die Bruderschaft ihre Präsenz im Bildungsbereich aus. Im letzten Jahr eröffnete der Schulverein Immaculata in Wangs SG ein Gymnasium für Buben. Dieses wird von den Piusbrüdern nun offensiv in Deutschland, Österreich und im Elsass beworben. Dort ist das Interesse am Schweizer Internat nach Angaben von Anhängern der Gemeinschaft gross – zumal die Schule auch die deutsche und österreichische Matur anbietet. In Deutschland musste das einzige Buben-Gymnasium der Piusbrüder 2007 geschlossen werden. Der damalige Rektor, Pater David Köchli, ist heute Leiter der Schule in Wangs.

Wie ein Mitarbeiter der Schule gegenüber dem «Sonntag» sagt, hoffen die Piusbrüder, in Wangs schon bald über 100 Schüler zu unterrichten. Derzeit gehen dort 60 Buben zur Schule. Sie leben nach einem streng geregelten Tagesablauf mit festen Gebetszeiten. Am Mittwoch und Freitag heisst es um 6.20 Uhr aufstehen, um 6.35 Uhr folgt das Morgengebet und um 6.40 Uhr die Schulmesse. Um 12.30 Uhr trifft man sich zum Gebet in der Kapelle. Vor dem Abendessen wird ein Rosenkranz gebetet und vor der Nachtruhe ein Abendgebet gesprochen.

Auf ihrer Homepage beschreiben die Piusbrüder die Ziele ihrer Schulerziehung: «Da sich die Welt in immer stärkerem Masse von der von Gott gegebenen Ordnung entfernt, geht es bei den Schulen (...) darum, die Kinder so gut wie möglich vor den Einflüssen des Bösen zu bewahren.»

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