Noch bis Mitte Oktober sitzen der legendäre Ex-GC-Manager Erich Vogel und der Innerschweizer Spielervermittler P. B. in Untersuchungshaft. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Erpressungsversuchs: P. B. soll mithilfe von Vogel versucht haben, den Sportchef der Young Boys, Fredy Bickel, mit «heissen Dokumenten» zu erpressen. Doch statt zu einer Geldübergabe der geforderten 131 000 Franken kam es zur Verhaftung durch die Polizei.

Eines dieser Dokumente, das im Tresor von Erich Vogel lagerte und den Fall zum Eskalieren brachte, ist ein Brief aus dem Jahr 2002 mit dem Titel «Vorkaufsrecht». Darin werden die Modalitäten einer speziellen Vereinbarung beschrieben, die den Ursprung der Auseinandersetzung zwischen Bickel und P. B. bildet. Unterschrieben ist der Brief von Fredy Bickel und dem damaligen YB-Präsidenten Heinz Fischer.

Der Hintergrund: Im Herbst 2002 arbeitete Bickel als Sportchef bei YB. Finanziell stand der Verein damals auf wackeligen Beinen. P. B. war als Spielervermittler tätig. Die Idee: Der Vermittler darf exklusiv die Spieler von YB verkaufen. Dafür wird ihm eine Provision von mindestens 20 Prozent in Aussicht gestellt. Im Gegenzug leiht der damalige Schwiegervater von P.B. dem YB-Präsidenten Fischer 300 000 Franken.

Doch zu einem formellen Vertragsabschluss ist es möglicherweise nie gekommen. Später verschickte P. B. eine Verzichtserklärung via Fax, die er allerdings widerrief. Offenbar steht die Vereinbarung im Zusammenhang mit dem Verkauf des damaligen Stürmertalents Johan Vonlanthen. P. B. wollte ihn an den FC Bayern vermitteln, doch der Deal platzte. Stattdessen wurde Vonlanthen an den PSV Eindhoven verkauft, und zwar von YB selbst. P. B. war bei dieser Transaktion nicht involviert.

Aufgrund einer Strafanzeige ermittelte darauf die Berner Staatsanwaltschaft wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung. Die Untersuchung führte zur Entlassung von Fredy Bickel; wenige Monate später wurde sie ergebnislos eingestellt. Die erhobenen Anschuldigungen hätten sich als «haltlos» erwiesen. Im Rahmen dieser Untersuchung haben die Ermittler das Büro von Fredy Bickel auf den Kopf gestellt; Dokumente, Unterlagen und den Computer gesichert. Wie also sollte es möglich sein, dass weitere belastende Dokumente existierten?

Es war diese Frage, die Bickel umtrieb, als P. B. ihm am 30. August um 22.00 Uhr anrief und ein Treffen an einer Autobahnraststätte arrangieren wollte. Laut Bickels Sprecher Sacha Wigdorovits habe der Spielervermittler Bickel aufgefordert, ein Couvert mitzunehmen, sonst würden die Dokumente im «Blick» erscheinen.

Am 12. September verabredeten sie sich in der Kanzlei von Bickels Anwalt in Zürich. Dort soll P. B. zugegeben haben, die Unterlagen entwendet zu haben, bevor die Staatsanwaltschaft diese beschlagnahmen konnte. Das bestätigt Bickel-Sprecher Wigdorovits: Der Spielervermittler habe zugegeben, die Dokumente aus Bickels Büro gestohlen zu haben.

Die Anwältin des Spielervermittlers war am Samstag nicht erreichbar. Gestern sagte sie in diversen Medien, wonach ihr Mandant möglicherweise in eine Falle gelockt worden sei.

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