In der «Rundschau» warf Verteidigungsminister Ueli Maurer dem Schweizer Fernsehen «tendenziöse Berichterstattung» zum Kampfjet Gripen vor, über den das Volk am 18. Mai abstimmt. Der «Blick» schrieb gestern, es gehe um mehr als um den Gripen: Die SVP wolle den SRG-Generaldirektor Roger de Weck stürzen. Wir haben nachgefragt.

Herr Bundesrat, was genau hat Sie bei der «Rundschau» enerviert?
Ueli Maurer: Im Filmbeitrag liess man dauernd Lutz Unterseher zu Wort kommen (deutscher Sicherheitsexperte, der den Gripen für unnötig hält, die Red.). Wenn das Fernsehen ihn als Experten auftreten lässt, ist das politische Absicht. Denn auf Unterseher kommt man nicht einfach so: Er ist ein Linker, der seit 20 Jahren als Armeeabschaffer bekannt ist und sicher kein Experte in Sachen Luftwaffe. Dabei gäbe es Dutzende von neutralen Luftwaffenspezialisten.

Das Fernsehen sagt, es habe ausgewogen berichtet, denn Sie hätten ja in einem 9-minütigen Interview Ihren Standpunkt vertreten können.
Das ändert nichts daran, dass der Beitrag tendenziös war. Unfair war auch die Zahlenspielerei mit den Luftwaffen verschiedener Länder. Auch hier war die politische Absicht klar.

Sie forderten wiederholt kritischen Journalismus, wenn es aber Ihre Arbeit betrifft, ist es auch nicht recht.
Für mich ist es Alltag, kritisiert zu werden. Jetzt habe ich einmal die Gelegenheit genutzt, die Kritik zurückzugeben, weil sie tendenziös war. Ich staune, was für eine Aufregung es gibt, wenn man sich mal getraut, öffentlich einen Medienbeitrag zu kritisieren.

Welche Reaktionen hatten Sie?
Es gab sicher 100 Mails und viele SMS. Ich kam nicht dazu, alles zu lesen, doch etwa 90 Prozent sind positiv.

Am Freitag treten Sie in der «Arena» zum Gripen auf. Was erwarten Sie?
Dass man nicht immer dann unterbrochen wird, wenn man ein schlagendes Argument bringt (lacht).

Der «Blick» schreibt, die Kritik aus SVP-Kreisen am Fernsehen ziele letztlich gegen Generaldirektor Roger de Weck, der als EU-freundlich gilt. Ist das der Hintergrund Ihrer Kritik?
Die Kontakte, die ich mit Herrn De Weck hatte, waren erfrischend und gut. Ich finde, er persönlich hat eine gute Linie und ein gutes Gespür – als oberster Chef der SRG macht er es, soweit er Einfluss nehmen kann, nicht so schlecht. Als Person überzeugt er mich, politisch haben wir andere Ansichten.

Am 18. Mai wird es spannend, laut Umfragen sind noch 52 Prozent gegen den Gripen. Was für ein Gefühl haben Sie?
Ich glaube an ein Ja. Dass es eng werden würde, das wussten wir immer.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper