Ein 14-jähriger Schüler der Kreisschule Mutschellen AG ist am Montag bei Bremgarten in der Reuss verschwunden. Der Unfall geschah während eines Klassenausflugs. Jetzt fordern Elternvereinigungen verbindliche Regeln für Lehrerpersonen zu Klassenfahrten und Aufenthalten im Wasser.

«Vernünftige Regelungen wären wichtig, damit die Lehrer mehr Sicherheit haben», sagt Heinz Bäbler von der Deutschschweizer Elternvereinigung «Schule und Elternhaus». Bis jetzt gebe es keine Richtlinien in Bezug auf Schulausflüge, nur Empfehlungen, zum Beispiel von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) oder von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). «Empfehlungen sind aber zu schwach», sagt der Elternvertreter.

Richtlinien für Schulausflüge und Wasseraktivitäten wünscht auch Tamara Bruggmann von der Elternvereinigung Mutschellen: «Als Mutter habe ich kein gutes Gefühl, wenn ich nicht weiss, ob ein Schulausflug sorgfältig geplant ist», sagt sie. Wichtig sei etwa, dass ein Lehrer genau wisse, wie viele Begleitpersonen er bei einer ausserschulischen Aktivität im Minimum aufbieten müsse.

Das BFU empfiehlt etwa, dass eine durchschnittlich grosse Klasse von 24 Schülern auf einer Reise von mindestens drei Aufsichtspersonen begleitet wird. Vor einem Ausflug sollen Lehrer ihre Schüler zudem für mögliche Risiken sensibilisieren und mit ihnen Verhaltens-Lösungsansätze ausarbeiten. Das BFU rät Lehrkräften auch eine Rechtsschutzversicherung abzuschliessen.

Für Ausflüge an einen See empfiehlt die SLRG mindestens eine Aufsichtsperson pro zehn Schüler. Auf Exkursionen an einen Fluss sollte bereits ab neun Schülern eine zweite Begleitperson dabei sein. Es spiele dabei keine Rolle, ob es sich um einen Badeausflug oder um eine Wanderung entlang eines Gewässers handelt, heisst es im Lehrer-Merkblatt. Zudem soll die Lehrkraft den Ausflugsort davor rekognoszieren und Hilfsmittel wie Schwimmwesten vorbereiten.

Auch von Lehrerseite her sind klare Richtlinien ein Wunsch, obwohl dies deren Handlungsspielraum stark einschränken und einen grossen Organisationsaufwand bedeuten würde. «Viele Lehrerinnen und Lehrer sind verunsichert und vermeiden sogar Ausflüge und Aktivitäten im Wasser», sagt Niklaus Stöckli, Präsident Aargauischer Lehrerinnen und Lehrerverband (ALV). «Es ist aber keine Lösung, aus Angst vor Unfällen das Schulzimmer nicht mehr zu verlassen – das käme einem Gefängnis gleich.» Deshalb wäre es sinnvoll, die Empfehlungen von SLRG und BFU als Richtlinien für den Kanton oder die ganze Schweiz zu übernehmen, sagt er.

Beim Unglück in Bremgarten war der Lehrer allein mit seiner zwölfköpfigen Klasse auf einer Exkursion am Reussufer. Dabei stürzte ein 14-jähriger Schüler in den Fluss und verschwand. Gegen den Lehrer läuft nun ein Verfahren wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung. Am Donnerstag hat die Polizei Stetten AG einen männlichen Leichnam gefunden. Ob es sich um den vermissten Schüler handelt, ist noch unklar.

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