VON KATIA MURMANN

Bei der Wahl des neuen Bischofs von Basel können die Regierungsräte mitbestimmen – anders als in allen anderen Bistümern. Und die Politiker sprechen sich klar für einen Liberalen als Nachfolger von Kurt Koch aus. Dieser ist seit vier Tagen im Vatikan, als Präsident des «Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen».

«Ich verspreche mir, dass der neue Bischof ein moderner, reformorientierter Kirchenvater wird, der frischen Wind in das Bistum bringt», sagt Christian Amsler, FDP-Regierungsrat aus Schaffhausen. Sein Kollege Bernhard Koch (CVP/TG) stellt klar: «Der neue Bischof darf sicher kein Konservativer sein, sondern jemand, der eine gewisse Distanz zu Rom pflegt. Im Bereich der Einbindung von Frauen muss er viel offener sein, als das bisher der Fall war.»

Koch, Amsler und 12 weitere Regierungsräte haben es in der Hand: Sie sind Mitglieder in der Diözesan-Konferenz des Bistums Basel, die als staatliche Aufsichtsbehörde im Wahlprozedere geschaffen wurde.

Gewählt wird der neue Bischof von Basel zwar von den 18 Priestern des Domkapitels – doch nicht, ohne dass die Liste mit den sechs Kandidatennamen der Diözesan-Konferenz zur Prüfung vorgelegt wird. Gefällt den Kantonsvertretern ein Kandidat nicht, haben sie das Recht, diesen von der Liste zu streichen. Dieser Vorgang ist weltweit einmalig. Üblicherweise ist es der Papst, der Bischöfe ernennt.

Die Kantonsvertreter machen keinen Hehl daraus, dass der neue Bischof anders sein sollte als Kurt Koch, der 1995 zum Bischof von Basel gewählt wurde. Er galt vielen als volksferner Theologie-Professor. Auch wurde dem Luzerner, der in früheren Jahren als romkritischer Reformer gefeiert wurde, vorgeworfen, mit der Zeit immer stärker die Positionen des Vatikans vertreten zu haben.

«Es wäre gut, wenn auf einen professoralen Bischof wieder ein Seelsorger-Bischof folgen würde, der keine Berührungsängste mit dem Kirchenvolk kennt», sagt Klaus Fischer, CVP-Regierungsrat aus Solothurn und Mitglied der Diözesan-Konferenz. Er erwartet vom neuen Bischof «Offenheit gegenüber den grossen Herausforderungen der aktuellen Zeit wie Priestermangel, Kirchenaustritte und Frauenordination».

Auch Adrian Ballmer, FDP-Regierungsrat aus Basel-Landschaft, will, dass der neue Bischof vieles anders macht als Kurt Koch: «Es darf nicht wieder passieren, dass es einen öffentlichen Streit gibt wie damals zwischen Bischof Koch und dem christkatholischen Bischof», so Ballmer. Der Bischof müsse für seine Kunden da sein, müsse den Menschen helfen, Probleme zu lösen – statt selbst Probleme zu schaffen.

Inwieweit sich die Vorstellungen der Politiker von denen der Kirchenoberen im Bistum unterscheiden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. In einigen Punkten aber stimmen die beiden bereits überein: So beschreibt Pater Roland Trauffer, der neun Jahre lang Generalvikar des Bistums Basel war, das Profil des neuen Bischofs mit den Worten des Evangeliums: «Jesus spricht dort von einer verlässlichen Persönlichkeit, die natürlich auch Schwächen hat», so Trauffer zum «Sonntag». «Er sagt: Und wenn ihr bei mir seid, müsst ihr lassen können vom Mammon, ihr könnt nicht zwei Herren dienen und euer Blick muss nach vorne sein. Vor allem muss es auch jemand sein, der von den Menschen verstanden wird.»



INTERVIEW MIT PATER ROLAND TRAUFFER
Pater Trauffer, mit Bischof Koch geht ein enger Vertrauter von Ihnen nach Rom. Wie nah ist der Bischof nun an Papst Benedikt XVI.?
Wenn er bei ihm an die Tür klopft, kommt er auch rein (lacht). Das ist schon etwas Besonderes. Unser Bischof geniesst das Vertrauen des Papstes und spielt künftig eine ausserordentlich bedeutsame Rolle im kirchlichen Geschehen weltweit. Im Herbst wird er den Papst auf seiner wichtigen Reise nach England begleiten. Hier im Bistum spüre ich eine Spannung, aber auch Zufriedenheit und Stolz, dass nun ein Schweizer in einer so wichtigen Position ist.

Bischof Kurt Koch wird keine einfache Aufgabe haben als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.
Ich bin sehr gespannt, wie es ihm gelingt, den Dialog unter den Christen zu fördern.
Es ist unglaublich, was er am Anfang so einer Aufgabe für ein Potential hat. Es ist eine grosse Herausforderung, die der Bischof aber dank seiner Intelligenz und seiner Erfahrung in einem komplexen Bistum gut meistern wird.

Das Bistum Basel gilt als romkritisch. Kann Bischof Koch jetzt zum Brückenbauer werden?
Selbstverständlich. Bischof Kurt hat immer wieder seine Verbundenheit mit dem Bistum zum Ausdruck gebracht. Die Ortskirche liegt ihm sehr am Herzen und er wird weiterhin ein Fürsprecher sein, ein Übersetzer für die besonderen pastoralen Gegebenheiten, die wir hier haben. Ein Gespür für die regionalen Eigenheiten unter dem Dach der Gesamtkirche, das wird er sicher anwaltschaftlich vertreten.

Ist der Bischof erleichtert gewesen, dass er nach Rom gehen kann?
Im Brief sagt er es auf eine sehr gute Weise. Er steht dazu, dass, wenn man feststellt, man wird müde, eine neue Herausforderung Kräfte freimacht. Das zeigt den Kurt Koch im Menschlichen, er will das nicht verheimlichen, sondern sagt, was ihn bewegt. Und das ist gut.

Bis ein neuer Bischof gefunden wird, ist Bischof Koch Apostolischer Administrator im Bistum Basel. Wie wird er mit dieser Doppelbelastung umgehen?
Da kann ich gar nichts sagen. Wir stehen am Anfang und im Moment ist er gar nicht hier. Wir werden sehen, ob er die Balance halten kann oder ob es ihn an einen Ort hinunter zieht und an einem Ort hinauf. Aber ich denke, er wird an beiden Orten Mitarbeitende haben, die helfen, die Balance zu halten.

Auch Sie?
Das ist offen, das weiss ich wirklich nicht. Es ist alles in der Luft im Moment.

Sie werden dem Bischof nicht nach Rom folgen?
Sicher nicht, das ist für mich keine Option.

Welche Eigenschaften muss der neue Bischof mitbringen?
Für mich ist das Profil klar, es steht im Evangelium: Jesus spricht dort von einer verlässlichen Persönlichkeit, die natürlich auch Schwächen hat. Er sagt: Und wenn ihr bei mir seid, müsst ihr lassen können vom Mammon, ihr könnt nicht zwei Herren dienen und euer Blick muss nach vorne sein. Vor allem muss es auch jemand sein, der von den Menschen verstanden wird.

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