VON NADJA PASTEGA

Die Gemeinde Köniz BE hat diese Woche entschieden, kein eigenes Grabfeld für Muslime zuzulassen. «Damit grenzt man die Muslime auch über die Toten aus», sagt Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios). Nach dem Minarettverbot ist für ihn die Frage der Bestattung «das dringendste Problem». In der Schweiz leben rund 400000 Muslime. Aber nur in neun Gemeinden gibt es islamische Ruhestätten. «Viele Muslime können nicht nach muslimischen Regeln bestattet werden, weil es kein separates Grabfeld gibt», sagt Afshar: «Sie müssen in ihr Herkunftsland ausgeflogen werden. Das ist unmenschlich.»

Das will Kios, der mächtigste Verband der Muslime in der Schweiz, jetzt ändern. Die brisante Forderung von Verbandspräsident Afshar: «Es braucht mehr muslimische Grabfelder – wir wollen in jedem Kanton einen muslimischen Friedhof.»

Auf diesen zentralen Islam-Friedhöfen sollen Muslime aus dem ganzen Kanton nach islamischem Ritus bestattet werden können: Getrennt von den Andersgläubigen, in «rituell reiner» Erde (es dürfen zum Beispiel keine Christen in dieser Erde gelegen haben), der Sarg muss nach Mekka ausgerichtet sein.

Nach Afshars Vorstellung sollen sich die Gemeinden zu Verbünden zusammenschliessen und gemeindeübergreifende muslimische Grabstätten schaffen: «Gemeinden, die über keinen eigenen muslimischen Friedhof verfügen, sollen sich an den Kosten beteiligen.»

Der Muslim-Verband droht bereits mit dem Gang vor Gericht. Mit einer Klage soll das Recht auf eigene Grabstätten durchgesetzt werden. «Beim nächsten Fall, wo einem Muslim die Bestattung auf einem muslimischen Friedhof verweigert wird, werden wir vor Gericht klagen», kündigt Afshar an. Die Klage wird derzeit generalstabsmässig und unter Hochdruck vorbereitet. Kios hat Kontakt mit den Muslim-Vereinen in den Gemeinden aufgenommen. Diese sprechen mit Familien, in denen es einen Krankheitsfall gibt, damit diese dem Verband einen Todesfall sofort melden.

«Man muss die rechtliche Situation notfalls bis vor Bundesgericht klären» sagt Afshar. «Ich bin sicher, dass wir recht bekommen. Wenn man uns eine Bestattung auf einem muslimischen Grabfeld verweigert, verstösst das gegen die Religionsfreiheit und das Diskriminierungsverbot.»

Doch bereits formiert sich der Widerstand. «In der Schweiz wird niemand auf dem Friedhof diskriminiert», sagt Ulrich Schlüer, SVP-Nationalrat und damaliger Ko-Präsident der Anti-Minarett-Initiative. Der Staat gewährleiste jedem Bürger ein anständiges Begräbnis. «Niemand kann Sonderrechte beanspruchen. Von Diskriminierung zu reden, ist völlig daneben.»

Kritik kommt auch von CVP-Präsident Christophe Darbellay. Die Wünsche der Religionsgemeinschaften müsse man nach Möglichkeit berücksichtigen. Aber: «Die Muslime können nicht nur fordern.» Sie müssten den Dialog mit den Gemeinden suchen. Die Bestattungsfrage beschäftigt auch Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf in ihren Gesprächen mit Muslim-Organisationen. «Man wollte uns das Liestaler Modell anpreisen», sagt Afshar: «Dort werden die Gräber in einer Reihe mit den anderen Grabsteinen angelegt und der Sarg unterirdisch nach Mekka ausgerichtet.» Für Afshar inakzeptabel: «Das ist entwürdigend.»

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