Von Christian Satorius

Der Tyrannosaurus Rex stand praktisch schon vor unserer Tür. Nie war die Rückkehr der Dinosaurier so zum Greifen nahe wie im Jahr 2007, als die US-amerikanische Paläontologin Mary Higby Schweitzer eine wissenschaftliche Sensation verkündete: Ihr war es anscheinend gelungen, in einem 68 Millionen Jahre alten Beinknochen eines Tyrannosaurus Rex sogenanntes weiches Gewebe zu finden, ja sogar Blutrückstände – was praktisch der Entdeckung von Dinosaurier-DNA gleichkam. Mit anderen Worten: Die Rückkehr der Urzeitechsen war damit eigentlich nur noch eine reine Formsache, mehr nicht.

Diesen Eindruck konnten zumindest viele Kinobesucher und begeisterte Fans des «Jurassic Park» gewinnen. Aber auch die Experten horchten damals auf. Der Paläontologe und Astrophysiker Thomas G. Kaye vom Burke-Museum in Seattle wollte es genauer wissen und prüfte die Forschungsergebnisse Schweitzers unter dem Elektronenmikroskop nach. Er kam allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis: «Es handelte sich hierbei keineswegs um weiches Gewebe von Dinosauriern, sondern vielmehr um bakterielle Biofilme, die später in die Fossilien eingedrungen sind.» Keine Tyrannosaurus-DNA also.

Die DNA dürfte sich auch in Zukunft schwerlich finden lassen, meinen zumindest der australische Paläontologe Mike Bunce von der Murdoch-Universität in Perth und der Geogenetiker Morten Erik Allentoft von der Universität Kopenhagen. Die beiden Wissenschafter haben 158 Beinknochen des ausgestorbenen neuseeländischen Laufvogels Moa auf den Zerfall der DNA hin untersucht. Aufgrund ihrer Studien an den 600 bis 8000 Jahre alten Proben kamen sie 2012 zu dem Schluss, dass die DNA nur eine Halbwertszeit von 521 Jahren hat. Mit anderen Worten heisst das, sagt Mike Bunce: «Selbst bei optimaler Lagerung von minus 5 Grad ist die DNA eines Knochens nach maximal 6,8 Millionen Jahren komplett zerstört.» Zum Vergleich: Das derzeit älteste Genom, das Genetiker 2013 entschlüsseln konnten, entstammt einem im Permafrostboden konservierten Pferd, das vor 700 000 Jahren verstorben ist. Die Dinosaurier allerdings sind schon vor 65 Millionen Jahren ausgestorben.

Allerdings wird die Dino-DNA im Film «Jurassic Park» ja auch gar nicht aus den Fossilien selbst gewonnen, sondern vielmehr aus einer in Bernstein eingeschlossenen Mücke, die vom Dinosaurier Blut gesaugt hat.

Könnte man denn vielleicht auf diese Art in den Besitz der begehrten DNA kommen? Auch dieser Frage haben sich die Forscher im Zuge des ersten Films von 1993 angenommen – und konnten bald schon erste Erfolge vorweisen. Heute steht allerdings fest, dass die damals untersuchten Proben verunreinigt waren und keine Dinosaurier-DNA enthielten.

John R. Horner, Paläontologe und wissenschaftlicher Berater der «Jurassic-Park»-Filme, formuliert es augenzwinkernd so: «Wenn Sie ein Stück Bernstein mit einer Mücke darin anbohren würden, und das, was Sie daraus extrahieren könnten, immer wieder klonten, dann hätten sie am Ende nichts anderes als ein Zimmer voller Mücken.» Sicher keinen Dinosaurier. Vermutlich aber nicht einmal Mücken: Neuere Forschungen der Universität Manchester legen nämlich nahe, dass genetisches Material ausgerechnet im Inneren von Insekten besonders schnell zerfällt.

Der Genetiker Terry Brown und der Paläontologe und Bernsteinspezialist David Penney untersuchten im Jahr 2013 zwei Bienen, die in Bernstein eingeschlossen waren respektive in dessen Vorstufe, dem Kopalharz. Weder in dem Tier, das schon 10 600 Jahre in dem Harz verbrachte, noch in dem zweiten Exemplar, das erst 60 Jahre eingelagert war, konnten die Forscher noch intakte Bienen-DNA finden. «Es scheint, als müsste Jurassic Park eine Fiktion bleiben», bilanziert Penny.

Horner, der wissenschaftliche Berater der «Jurassic Park»-Filme, hat allerdings noch eine ganz andere Idee, die Dinosaurier wieder zum Leben zu erwecken. Das Zauberwort heisst hier «Rückzüchtung». Die Idee erscheint in der Tat bestechend: Da die Vögel Nachfahren der Dinosaurier sind, sollte es da nicht möglich sein, die Evolution quasi umzukehren, also Vögel gezielt zu Dinosauriern zurückzuzüchten?

In der Tat tragen die Vögel heute noch viele Dinosauriermerkmale in sich. Als sogenannte Übergangsform zwischen Dinosauriern und Vögeln gilt Wissenschaftlern unter anderem der Urvogel Archaeopteryx, der Merkmale von Dinosauriern, wie etwa Zähne und einen langen knöchernen Schwanz, mit Merkmalen von Vögeln verbindet, wie etwa moderne Flugfedern.

«Dinosaurier verloren ihre knöchernen Schwänze, als sie zu Vögeln wurden. Ihre Arme respektive Hände bildeten sie zu Flügeln um», sagt Horner. «Ich denke, dass wir die Evolution umkehren können, wenn wir erst einmal wissen, welche Gene für diese Transformationen verantwortlich sind. Wir reaktivieren dann den Schwanz und machen aus dem Flügel wieder eine Hand.» Horner ist nicht der Einzige, der an Rückzüchtung glaubt.

Einige derartiger Zuchtprogramme können ihre Ergebnisse heute schon durchaus sehen lassen, wie etwa das «TaurOs-Project» unter niederländischer Federführung, bei dem es darum geht, dem Auerochsen so nahe wie möglich zu kommen, also dem im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Urrind, das eine Schulterhöhe von atemberaubenden 1,80 Meter erreichen konnte. Von diesem Ziel sind die heutigen Tiere allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Das erste und bisher allerdings auch einzige ausgestorbene Tier, das «erfolgreich wiederbelebt» werden konnte, ist der Pyrenäensteinbock. Dem im Jahr 2000 verstorbenen letzten Weibchen seiner Art wurde nach dessen Tod Erbmaterial entnommen und in eine normale Hausziege verbracht, die das Steinbockkitz dann austrug. Nach seiner Geburt überlebte es allerdings nur kurz – und so starb der Pyrenäensteinbock ein zweites Mal aus.

Spätestens hier stellt sich für viele die Frage der Ethik. Selbst wenn es uns eines Tages gelänge, Dinosaurier zu neuem Leben zu erwecken, was dann? Wie und wo wollte man etwa einen Tyrannosaurus Rex unterbringen? Sollte man ihn gar in einem Zoo halten? Wie lange würde es dann wohl dauern, bis die ersten Dinosauriersteaks im Supermarktregal lägen? Aber gut, vielleicht macht man mit derartigen Überlegungen aus einer Mücke ja auch einen Elefanten – um nicht zu sagen: einen Dinosaurier.

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