Alle sieben Minuten dringen Einbrecher irgendwo in der Schweiz in eine Wohnung oder ein Haus ein. 61 128 Einbrüche verzeichneten die Polizeien vergangenes Jahr. Auch bei den Schadenskosten ist ein neuer Rekord zu verzeichnen. Auf 280 Millionen Franken belaufen sich diese jährlich, Tendenz steigend.

Deshalb hat die Basler Versicherung die Diebe genauer unter die Lupe genommen. Der Versicherungskonzern befragte 40 Einbrecher im Gefängnis zu ihrem Vorgehen, ihrem bevorzugten Diebesgut und welche Massnahmen sie abschrecken. Die Versicherung sprach ebenfalls mit 279 Opfern, um die Auswirkungen eines Einbruchs besser zu verstehen. Die Resultate liegen der «Schweiz am Sonntag» vor.

Aktuell ist in der Schweiz Einbrecher-Hochsaison. In Wohnobjekte dringen Diebe am liebsten von November bis Januar ein. Doch Profi-Einbrecher, die ihre Tat minutiös planen, sind höchst selten unterwegs, wie die Studie zeigt. Die meisten beobachten die Wohnungen und Häuser nicht einmal, sondern wählen die Objekte ihrer Begierde meist spontan und nach den Fluchtmöglichkeiten aus. «Halb-Profis» bevorzugen Orte in der Nähe von Autobahnen und anonyme Quartiere.

Die Einbruchregion hängt auch von der Spezialisierung des Einbrechers ab: Manche bevorzugen Wohnblocks, andere Einfamilienhäuser. Zwar haben die Diebstähle in Einfamilienhäuser innerhalb eines Jahres um 50 Prozent auf 16 324 Delikte zugenommen, doch am beliebtesten sind noch immer die Mehrfamilienhäuser. «Es besteht über alle Stockwerge hinweg ein ernst zu nehmendes Einbruchrisiko», sagt Jeanine Hoppe, Sprecherin der Basler Versicherung. Entgegen der verbreiteten Wahrnehmung dringt nur ein Drittel der Diebe im Erdgeschoss ein. Gerade tagsüber sind höhere Etagen eher gefährdet. «Einbrecher fühlen sich in oberen Stockwerken ungestörter», sagt Hoppe.

Schwachstellen sind bei den Mehrfamilienhäusern vor allem die Türen – mit einem Schraubenzieher lassen sich die Schlüsselzylinder leicht entfernen. Im Einfamilienhaus hingegen wird in 80 Prozent der Fälle durch Fenster oder Balkontüren eingebrochen. Entweder bohren die Einbrecher das Fenster auf, oder sie schlagen mit einem Stein die Scheiben ein.

Einmal im Haus, durchsuchen die Diebe erst das Schlafzimmer, dann das Bad und das Büro. Sind sie in Gruppen unterwegs – was vor allem bei den Kriminaltouristen der Fall ist – halten sie Funkkontakt. Solche Banden-Einbrüche haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die diebischen Gruppen reisen teilweise per Flugzeug an und schicken dann ihre Beute per Post ins Heimatland. Nach getaner «Arbeit» ziehen sie ins nächste Dorf oder in die nächste Stadt weiter. Die Polizei erwischt nur knapp 16 Prozent von ihnen. Mehr als drei Viertel der Täter sind Ausländer, männlich und zwischen 15 und 30 Jahre alt.

Besonders beliebte Beute dieser Einbrecher sind Bargeld, Schmuck und technische Geräte, also alles, was sich schnell in Geld umwandeln lässt. Und was geht beim Suchen alles kaputt? «Praktisch immer die Einstiegsstellen: Fenster und Türen. Wenn eine besondere Zerstörungswut vorhanden ist, werden auch Büchergestelle, Duvets, Vasen zerstört», sagt Sergio Gansser, Leiter Leistungscenter Schaden bei der Basler. Wie die Befragungen der Einbrecher ergeben haben, nützt es auch nichts, wenn man beim Eingang mehrere Hundert Franken deponiert. «Damit lädt man dazu ein, nach noch mehr zu suchen», sagt Gansser.

Im Durchschnitt entsteht pro Einbruch ein Schaden von 4000 Franken. Oft viel schlimmer ist aber die Zerstörung des Sicherheitsgefühls. Jedes fünfte Opfer gibt an, seit der Tat Angst und Schlafstörungen zu haben. «Bei gewissen Menschen sind die Anpassungsprobleme so gross, dass sie sich kaum mehr aus dem Haus getrauen», sagt Rahel Bachem vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. Ebenfalls leidet jedes dritte Opfer stark unter den Gefühlen von Ekel und Abscheu. Auch hart trifft viele der Verlust von Erb- und Erinnerungsstücken. Knapp die Hälfte der Opfer kann dies nur schwer wegstecken, zeigt die Opferbefragung.

Gerade wegen des grossen psychischen Schadens bietet die Basler Versicherung ein «Sicherheitspaket» an, wo unter anderem psychologische Betreuung und Reinigungskosten gedeckt sind. Und auch die Mobiliar Versicherung reagiert auf die Vielzahl von Einbrüchen. Zusammen mit der Psychologin Bachem hat sie einen Selbsthilfe-Ratgeber entwickelt. «Alles, was man gegen das Gefühl der Machtlosigkeit tun kann, hilft», ist Bachem überzeugt.

Eine beruhigende Erkenntnis ist, dass Einbrecher in der Regel nicht gewalttätig sind. Meist fliehen sie, sobald jemand sie stört, und nur selten haben sie Schusswaffen bei sich. Grund dafür: Werden die Diebe erwischt, wirkt sich eine Waffe strafverschärfend aus. Gut zu wissen ist auch, wenn in Häusern Lichter brennen oder jemand zu Hause ist, wirkt das abschreckend. Auch Alarmanlagen oder Hunde halten Diebe ab.

Nicht alle Kantone werden gleich oft von Dieben heimgesucht. Besonders beliebt ist die Westschweiz. So hat beispielsweise im Kanton Jura die Zahl der Einbrüche von 2009 bis 2012 um fast 80 Prozent zugenommen. Ebenfalls schlagen die Diebe häufig in Basel-Stadt und Zürich zu.

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