Es ist attraktiv, in Schweizer Haushalte einzubrechen: Zu holen gibt es einiges – und die Gefahr erwischt und überführt zu werden, ist gering. Von den 61 128 Einbruchdiebstählen vergangenes Jahr klärten die Schweizer Kantonspolizeien 11,9 Prozent der Fälle auf – neun von zehn Fällen blieben also ungesühnt.

Ein Blick auf die einzelnen Polizeien zeigt: In acht Kantonen beträgt die Aufklärungsrate weniger als 10 Prozent. Der Kantonspolizei Uri gelang es nur, gerade 6 Prozent der insgesamt 134 Einbrüche zu klären. Zwischen September und November seien doppelt so viele Einbruchdiebstähle verübt worden wie in den restlichen acht Monaten, ist im Kriminalstatistik-Bericht der Kapo Uri zu lesen. Und: Die Einbruchwelle sei auf verschiedene Tätergruppen aus Georgien, Rumänien und Moldawien zurückzuführen.

Der Chef der Kriminalpolizei Uri, Ruedi Huber, sieht auch in der Transitachse eine zusätzliche Schwierigkeit für die Polizisten. «Die Autobahn wird als schnelle Fluchtmöglichkeit genutzt», sagt Huber. «Es gibt Fälle, da stehlen Täter nach Einbrüchen im Tessin Fahrzeuge und fahren damit in den Kanton Uri. Dort brechen sie wieder ein und entwenden Urner Fahrzeuge.» Dies geschehe oft alles in der gleichen Nacht. «Bis ein Fahrzeugbesitzer den Diebstahl bemerkt und uns alarmiert, ist es bereits Morgen.»

Auch die Kantonspolizeien Solothurn und Aargau kämpfen gegen Einbrecherbanden, die bevorzugt Dörfer und Städte entlang der Autobahn heimsuchen. Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg: Während die Solothurner 8 Prozent der 1885 Einbrüche aufklärten, liegt die Rate im Aargau bei 12,5 Prozent, dies bei 2694 Einbrüchen. «Erhalten wir die Meldung über einen Einbruch, dann lassen wir buchstäblich alles liegen und nehmen mit möglichst vielen Patrouillen die Fahndung auf», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Ebenfalls erhöhte der Kanton die uniformierte Präsenz im Bereich von öffentlichen Anlagen sowie in Wohnquartieren.

Mit immerhin leicht besserem Erfolg: 2011 hatte die Aufklärungsrate noch 11,6 Prozent betragen. Zufrieden ist Graser aber noch nicht: «Die Quote ist zu niedrig.» Schwierig gestaltet sich aber nicht nur die Fahndung, auch die nachfolgenden Ermittlungen sind oft unbefriedigend. «Die Polizei sieht sich immer wieder gezwungen, Festgenommene innert 24 Stunden zu entlassen», sagt Graser.

Der Grund: «Trotz dringendem Tatverdacht ist es oft unmöglich, den sogenannten Kriminaltouristen weitere Einbrüche rechtsgenügend nachzuweisen. Die Spurenvergleiche dauern oft länger als die uns gemäss Strafprozessordnung zur Verfügung stehende Zeit, oder die Festgenommenen schweigen eisern.»

Zu den meisten Einbrüchen kam es im Kanton Zürich. 12 127-mal stiegen Diebe in Häuser und Wohnungen ein. 12 Prozent der Fälle konnte die Polizei klären. Damit liegt der Kanton im Schweizer Durchschnitt.

Die beste Aufklärungsrate weist die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden auf: 28,6 Prozent. Allerdings geschahen im Halbkanton nur gerade 14 Einbrüche, und 4 davon wurden geklärt. Ebenfalls gut schneidet die Kantonspolizei Jura ab. «Gerade in kleinen Gemeinden funktioniert die soziale Kontrolle», sagt der Chef der Kriminalpolizei, Olivier Guéniat. 27,3 Prozent der 565 Einbruchdiebstähle deckten die Polizisten auf. «Da wir im Vergleich zu anderen Kantonen weniger Einbrüche haben, können wir in 98 Prozent der Fälle einen Forensiker beiziehen – auch bei Einbruchversuchen.» Für Guéniat ist klar: «Die Aufklärungsquote der Polizei hat nicht nur mit der Grösse des Korps zu tun. Entscheidender ist die Arbeit der Spurensicherung.»

Die Zahl der Polizisten im Verhältnis zu den Einwohnern steht in der Schweiz im Verhältnis 1 zu 464. Auch hier gibt es grosse kantonale Unterschiede: Im Aargau beträgt das Verhältnis 1 zu 725, im Jura 1 zu 502 und in Bern 1 zu 521.

Um die Einbrüche zu minimieren und die Aufklärungsquote zu erhöhen, schlägt der Präsident der Schweizerischen Kriminalkommission (SKK) und Kommandant der Kantonspolizei Bern, Stefan Blättler, die Wiedereinführung von kurzen Freiheitsstrafen und neue Haftgründe vor, die im Strafrecht verankert werden sollen. «Besteht bei einer Person der Verdacht auf bandenmässige Delikte, sollte es möglich sein, ihn länger festzuhalten.»

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