Wegen seltsamen Gestanks an Bord musste am Freitag ein Lufthansa-Flieger auf dem Zürcher Flughafen notlanden. Drei von sechs Crew-Mitgliedern wurden anschliessend wegen Atemwegsreizungen ins Spital gebracht. Doch das war nicht der einzige ungeklärte Flugzwischenfall am Freitag. Eine US-Airways-Maschine von Philadelphia nach Zürich kam erst mit sechs Stunden Verspätung in der Limmatstadt an. Der Flieger landete unplanmässig in Boston.

Erstaunlich: Die Begründung für die Notlandung war die gleiche wie bei der Lufthansa. Auch die amerikanische Crew bemerkte einen seltsamen Geruch an Bord. Dies bestätigt US-Airways-Sprecherin Valerie Wunder. Wie in Zürich mussten anschliessend vier Flight Attendants zur Beobachtung ins Spital. Beide Airlines tappen noch im Dunkeln, was den Geruch verursacht hat. Die Untersuchungen laufen.

Der deutsche Journalist Achim Pollmeier hat von der Notlandung in Zürich aus den Medien erfahren. Die Details zum Airbus A320 mit 85 Passagieren an Bord kennt er nicht. Die bisherigen Beschreibungen seien aber typisch für ein ihm bekanntes Phänomen, sagt er auf Anfrage. Im TV-Magazin «Monitor» der ARD zeigen er und sein Kollege Tim van Beveren – Fachjournalist für Technologie und Luftverkehr – ähnliche Fälle. Titel der Ausgabe von Anfang Oktober: «Ahnungslose Flugpassagiere. Nervengift in der Kabinenluft?»

Darin geht es um krankmachende Öldämpfe an Bord. Diese können auftreten, weil in modernen Passagier-Flugzeugen die Luft für die Kabine am Triebwerk abgezapft wird. Ist dort eine Dichtung durchlässig oder defekt, kann Öl verdampfen und in die Kabine gelangen – ungefiltert. Es ist ein Cocktail von Giftstoffen. Das Triebwerksöl enthält krebserregende Stoffe und das Nervengift TCP. Ist man ihm ausgesetzt, sind Atembeschwerden, Schwindelgefühle bis hin zu Muskelzuckungen die Folge.

US Airways und Lufthansa wollen erst die Untersuchungen abwarten und sich «nicht an Spekulationen beteiligen», wie es heisst. Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner sagt aber, dass es sich um einen undefinierten Geruch gehandelt habe. Einen Ölgeruch konnte die Crew nicht feststellen. Ausserdem sind die drei von Atemproblemen geplagten Crew-Mitglieder wieder aus dem Spital entlassen worden – ohne Krankheitsbefunde.

«Auch bei eindeutigen Ölvorfällen sind Krankenhausärzte mit den Symptomen meistens nicht vertraut», sagt Achim Pollmeier. In Europa gäbe es zudem keinen Test, um TCP im Blut nachzuweisen. Dazu müsste das Blut an ein Speziallabor in die USA geschickt werden. Ausserdem werde der Geruch von Betroffenen ganz unterschiedlich beschrieben.

Ob das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) den Fall behandeln wird, ist noch offen. Zwar waren zwei Mitarbeiter am Freitag vor Ort, doch wie es weitergeht, entscheidet das BFU erst Anfang Woche.

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