Das hiesige Leben von Migranten aus Nord- und Westeuropa unterscheidet sich kaum von dem der Schweizer. Die Integration von Ost- und Südosteuropäern, so zeigen die neusten Daten des Integrationsmonitorings des Bundes, bleibt hingegen schwierig. Sie leben beispielsweise häufiger in lärmigen Wohnungen, fühlen sich einsamer als die Restbevölkerung und müssen häufiger aus finanziellen Gründen auf Arztbesuche verzichten.

Solche Effekte verschwinden meist über Generationen – so die Lehrmeinung. Nicht so bei Osteuropäern: Ihre zweite Generation ist beispielsweise häufiger in Tieflohn-Berufen tätig als die erste. Das Konzept der Generationen ist allerdings umstritten: «Es gibt nicht ‹die erste› oder ‹die zweite Generation›», sagt Sandro Cattacin, Soziologe an der Universität Genf.

Italiener, die in den 50er- bis 60er-Jahren in der Schweiz geboren seien, bildeten die zweite Generation dieser Einwanderung. Sie seien immer wieder mit gegen sie gerichteten fremdenfeindlichen Initiativen konfrontiert worden und hätten gelernt, misstrauisch zu sein. Bei den Leuten, die in den 80er- oder 90er-Jahren geboren seien, sehe das ganz anders aus. «Sie haben die Schweiz schon als metropolitanes, offenes Land erlebt.» Zudem seien diese Einwanderer eine viel heterogenere Gruppe aus diversen Ländern mit unterschiedlichsten Erfahrungen. Die Migration gerade aus Ländern wie dem Kosovo sei sehr komplex: Heutige Immigranten hätten einen ganz anderen Hintergrund und andere Einstellungen als die Kriegsflüchtlinge der 90er. Das Pristina von heute habe beispielsweise mit jenem der 90er nichts mehr zu tun.

«Die Mobilität hat in den letzten Jahren so zugenommen, dass die klassische ‹Generationen-Logik› nicht mehr stimmt», sagt Cattacin. «Früher glaubte man, nach der dritten Generation glichen sich die Einwanderer an die Inländer an. Aber heute kann man gar nicht mehr gleich werden. Die Schweiz ist keine Gesellschaft mehr, in die man sich integrieren kann», sagt der Soziologe. Sie sei als urbanes Land komplex und vielschichtig. «Menschen, die wissen, wie man mit Unterschieden umgeht, haben heute Vorteile.»