VON CLAUDIA MARINKA

Ein Ehemann (40) täuscht eine Auslandreise vor, bricht nachts ins eigene Haus ein – und versucht, seine Frau (39) im Beisein der beiden Kinder mit mehreren Messerstichen umzubringen. Was sich in der Nacht auf Donnerstag in Bergdietikon AG zugetragen hat, schockiert die ganze Schweiz.

Die Familie galt als intakt, der Vater als freundlich und sympathisch. Doch «Sonntag»-Recherchen zeigen nun ein anderes Bild des Täters: Hinter der vorgetäuschten Idylle verbargen sich schwere Eheprobleme. Die beiden

besuchten eine Paartherapie. Deren Nutzen stellte der Ehemann jedoch infrage. Ein Bekannter bezeichnet die Kinder als Keil, der zwischen ihnen war. Mit ihrer Geburt kam zum Vorschein, wie unterschiedlich die Wünsche und Bedürfnisse der Ehepartner wirklich waren.

Jeder beschäftigte sich nur noch mit dem eigenen Leben. So begann eine unheilvolle Spirale zu drehen, wie enge Bekannte erzählen. Die Distanz zwischen ihm und ihr sei immer grösser geworden. Das ging so weit, dass der Vater nicht mehr im Ehebett schlief, sondern auf dem Estrich.

Der Psychologe Josef Sachs sagt: «Es gibt Menschen, die eine fast undurchschaubare Fassade aufbauen. Sie sind stolz darauf, etwas erreicht zu haben, und setzen alles daran, die Schwächen nicht zu zeigen», erklärt der leitende Arzt des Departements Forensik der Psychiatrischen Dienste des Kantons Aargau.

Meist seien es mehrere Probleme, die zu einer solchen Eskalation führen würden. «Sie werden immer verstimmter, Hassgefühle kommen auf, die sie nicht mehr loslassen», sagt Josef Sachs. Häufig würden sie als erfolgreich erscheinen und in intaktem sozialem Umfeld leben. «Eine lange Phase des Unverstandenseins und der Frustration kann sich durch eine aktuelle Situation verschärfen», bestätigt auch Peter Hain, Fachpsychologe für Psychotherapie.

Studien haben festgestellt, dass es zwar häufiger zu häuslicher Gewalt kommt bei Menschen, die in einem schlechten sozialen Milieu leben – aber seltener zu schweren Taten. Umgekehrt geschehen «Einfamilienhaus-Tragödien» seltener, dafür sind sie umso gravierender.

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