Noch nie seit der ersten Erhebung der DVD-Umsätze 2006 sind die Verkäufe der silbernen Scheibe so stark gesunken wie im vergangenen Jahr. Dies zeigen die neusten Zahlen des Schweizerischen Video-Verbands, die dem «Sonntag» exklusiv vorliegen.

Setzten die Händler 2010 noch 271 Millionen Franken mit DVD-Filmen um, waren es zuletzt ganze 20 Prozent weniger. Die Umsätze der modernen Blu-Ray-Disc, die im Vergleich zur DVD eine höher auflösende HD-Bildqualität bietet, stiegen zwar um satte 32 Prozent auf knapp 51 Millionen Franken. Doch dies reichte nicht, um die DVD-Einbussen zu kompensieren. Insgesamt resultierte bei einem Gesamtumsatz von 268 Millionen Franken ein Minus von 13,1 Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Video on Demand: Die Kundschaft schaut sich vermehrt Filme zu Hause per Knopfdruck an. Damit erspart sich der Kunde den Gang ins Geschäft. In den USA haben solche Dienste, insbesondere Netflix, den Videotheken schon längst das Wasser abgegraben. Die grösste US-Videothekenkette Blockbuster ging 2010 gar Bankrott. In der Schweiz sind es vor allem Swisscom-TV, Cablecom und Apple-TV, welche Filme zum Download anbieten.

Swisscom-TV zählte Ende letzten Jahres 608 000 Kunden – 44,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 6,3 Millionen Mal haben sie vom Video-on-Demand-Angebot Gebrauch gemacht, doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Geht man von einem Durchschnittspreis von 5 Franken aus, ergibt dies immerhin einen Umsatz von rund 30 Millionen Franken. Auch Cablecom konnte die Anzahl Digital-Kunden um über 100 000 auf 570 000 steigern. Das aktuelle Portefeuille mit 1500 Filmen wird noch dieses Jahr auf 2000 ausgebaut. «Neuheiten und Serien-Boxen kauft der Kunde nach wie vor bevorzugt auf DVD oder Blu-Ray», sagt Patrick Schaumlechner vom Schweizerischen Video-Verband.

Preisdruck: Die Preise der DVD sinken seit Jahren. «2011 wurden aber zusätzlich auch die Währungsvorteile an die Kunden weitergegeben», sagt Schaumlechner. Der Durchschnittspreis einer DVD sank zum ersten Mal knapp unter 20 Franken. Auch die teurere Blu-ray-Disc wurde deutlich billiger. Media-Markt wirbt aktuell für gewisse Blu-ray-Filme gar mit Preisen von 9.90 Franken.

Piraterie: In Internet gibt es eine Vielzahl an Plattformen, wo man sich aktuelle und ältere Filme gratis per LiveStream, ähnlich wie auf Youtube, ansehen oder auch downloaden kann.

Aber auch Hollywood ist an der Flaute mitschuldig: «Es fehlten zugkräftige Filme wie ‹Avatar› oder ‹Twilight›», sagt Schaumlechner. «Wir hoffen, dass 2012 wieder besser wird, nicht zuletzt, weil einige potenzielle Kassenschlager als DVD und Blu-Ray herauskommen, wie zum Beispiel ‹Ice Age 4›, ‹Intouchables› oder ‹The Hunger Games›.»

Bereits heute ist jede sechste Scheibe eine Blu-Ray. «Ich gehe davon aus, dass spätestens in drei Jahren gleich viele DVD und Blu-rays verkauft werden», sagt Schaumlechner. Tatsächlich wurden 2011 laut dem Elektronik-Branchenverband Swico erstmals mehr Blu-Ray- als DVD-Player abgesetzt. Und für dieses Jahr rechnet Swico damit, dass mehr als doppelt so viele Blu-Ray- als DVD-Player verkauft werden.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!