An der Friesstrasse riecht es nach süssem Apfel. Draussen sitzen Ali Bekems Gäste auf Sofas und rauchen Wasserpfeife, die Sonne scheint ihnen ins Gesicht. Die Aussichten für Bekems Shisha-Bar Laila in Zürich Seebach sind allerdings düster. «Momentan brauchen wir unsere Tabakreserven auf», sagt der 34-jährige Türke. «Die reichen noch für gut einen Monat. Wie es danach weitergeht, weiss ich nicht. Ich bin nervös.»

Die Friesstrasse ist Zürichs Shisha-Meile. Wasserpfeifen-Lokale reihen sich hier so eng aneinander wie Fastfood-Lokale in den USA. Doch seit Mai ist der Import von Shisha-Tabak zum Erliegen gekommen, wie neuste Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zeigen. Und dies, nachdem der Handel zuletzt rasant zugenommen hatte. 2014 wurden 800 Tonnen importiert – mehr als doppelt so viel als ein Jahr zuvor. Doch diesen Mai waren es noch 100 Gramm, im Juni eine Tonne. «Der Markt ist trockengelegt», sagt Bekem. Andere Barbetreiber bestätigen die Situation.

Verantwortlich für den Importeinbruch ist die EZV. Sie hatte im Mai völlig überraschend die Importsteuer für Wasserpfeifentabak massiv erhöht. Zuvor hatte die Steuer 10 Prozent des Endverkaufspreises betragen. Nun wurde plötzlich eine Mindeststeuer von 80 Franken pro Kilo fällig. Wer 2 bis 3 Tonnen aus dem Zollfreilager lösen will, muss nun rund 150 000 Franken an Steuern bezahlen. Beträge, die sich viele Kleinimporteure nicht leisten können.

«Es ging ein Schock durchs Land», sagt der Basler Fredy Schulze, der die US-Tabakmarke Social Smoke importierte und sie an Bars und Geschäfte weiterverkaufte. «Jetzt ist der Import viel zu teuer», sagt Schulze. Er überlege sich zurzeit, auf einen günstigeren Tabak auszuweichen – oder aufzuhören.

Auch der Generalimporteur der populären Marke Al Fakher aus Dubai ist konsterniert. «Wir haben beim Bund Beschwerde gegen die höhere Steuer eingereicht», sagt ein Vertreter der Swiss General Trading GmbH in Luzern.

Die EZV hat die Steuer nicht grundlos erhöht. «Das primäre Ziel war die Verbesserung des Schutzes vor allem der jugendlichen Konsumenten», sagt Sprecher Martin Affolter. Es werde sich zeigen, ob Jugendliche auf günstigeren, aber nicht minder schädlichen Wasserpeifentabak umsteigen würden. Die Lungenliga bezeichnet Shishas als genauso schädigend wie Zigaretten, insbesondere, weil das Rauchen einer Wasserpfeife bis zu einer Stunde dauert.

Allerdings steckt ein weiterer Grund hinter der Steuererhöhung. Die Schweiz war bisher ein Umschlagplatz, weil Shisha-Tabak in EU-Ländern deutlich teurer war. Wären die 2014 importierten 800 Tonnen nur für den Schweizer Markt bestimmt gewesen, hätte jeder Einwohner durchschnittlich 100 Kilo Shisha-Tabak rauchen müssen.

Laut Stefan Meile vom Onlinehändler Shisha König aus Aadorf TG verläuft der Schmuggel jetzt aber in die andere Richtung. «Ich habe Geschichten gehört von Lastwagen voller Gemüse, die im hinteren Teil Shisha-Tabak verstecken.» Die EZV bestätigt, dass Schmuggelfälle aufgedeckt wurden, die strafrechtlich verfolgt werden. Man habe ein Augenmerk auf den Bereich und führe Kontrollen durch, sagt EZV-Sprecher Martin Affolter.

Ali Bekem von der Laila-Bar und andere Anbieter haben den Preis einer Shisha per Mai vorausblickend von 18 auf 25 Franken angehoben. Nicht ohne Folgen. «Früher rauchte eine Fünfergruppe zwei bis drei Shishas, jetzt aber oft nur noch eine.» Er hofft auf eine baldige Lösung. Denn 70 Prozent seines Umsatzes erzielt er mit den Wasserpfeifen. «Und nur vom Getränkeverkauf können wir nicht leben.»

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