Vier Neuwagen einer Basler Audi-Garage stehen nachts um zwei Uhr in Flammen. Die Scheibe des Showrooms ist eingeschlagen. Die Ermittler finden am Tatort zwei Steine. Auf den Wurfgeschossen haften die DNA-Spuren eines heute 29-Jährigen.

Der Täter schien identifiziert zu sein. Das Basler Strafgericht verurteilte ihn 2014 zu Schadenersatz von 200 000 Franken sowie zu einer bedingten Gefängnisstrafe. Hängig blieb eine Forderung der Audi-Vertretung über weitere 600 000 Franken. Das Leben des jungen Mannes drohte von einem Schuldenberg überschattet zu werden.

Der Mann kämpfte gegen seine Verurteilung. An der Verhandlung vor der zweiten Instanz von diesem Jahr nahm der Fall eine spektakuläre Wende: Der Mann wurde freigesprochen. Nun liegt das rechtskräftige Urteil vor.

Viele Fragen bleiben offen. Der wirkliche Täter bleibt unbekannt. Fest steht aber: Der Angeklagte war in der besagten Nacht nicht am Tatort. Das höchste Basler Gericht hält zwei Varianten für möglich, wie sein genetischer Fingerabdruck auf die beiden Steine gelangt sein könnte. Die Velo- oder Arbeitshandschuhe des Mannes mit DNA-Material auf der Aussenseite könnten vom unbekannten Täter verwendet worden sein. Denkbar wäre gemäss den Richtern auch, dass der 29-Jährige die Steine vor dem Vorfall berührt hatte und der Täter diese später mit Handschuhen ins Audi-Schaufenster warf.

Selber hat der Mann keine Erklärung für seine DNA-Spur. Er leidet aber an einer seltenen Hautkrankheit: Schuppenflechte. Dadurch verliert er grosse Mengen an Hautschuppen und hinterlässt eine überdurchschnittliche DNA-Spur. Sie wurde ihm zum Verhängnis.

177 000 Personen registriert
Die DNA-Analyse wird für die Aufklärung von Straftaten immer wichtiger. Im Vorjahr erzielten Abfragen der Strafverfolger in der Schweizer DNA-Datenbank 13 000 Treffer; mehr als doppelt so viele im Vergleich zum Jahr 2007. Der vom Bundesamt für Polizei verwaltete Datenschatz wächst. Aktuell sind 177 000 Personenprofile und 64 000 Tatortspuren registriert. Vor acht Jahren waren erst 80 000 Personen und 14 000 Spuren erfasst. Der Ausbau reicht bürgerlichen Politikern nicht. Sie fordern, dass DNA-Profile verurteilter Straftäter länger gespeichert werden.

Der Zürcher Anwalt Bernard Rambert hat den angeblichen Basler Steinewerfer verteidigt. Er sagt: «In der Schweiz ist der Glaube an DNA-Beweise fast unumstösslich. In Deutschland ist die Sensibilität für das Problem höher.» Hierzulande habe er vergeblich nach einem DNA-Forensiker als Berater gesucht. Fündig wurde er bei einem deutschen Institut für forensische Genetik.

In seiner Karriere als Strafverteidiger hat der siebzigjährige Rambert einen weiteren Justizirrtum aufgrund eines DNA-Beweises erlebt: «Vor zehn Jahren fand man neben einer Leiche in Zürich ein Taschentuch mit DNA-Spuren einer Frau. Sie wurde deshalb des Mordes verdächtigt und sass ein halbes Jahr in U-Haft. Dabei war auch sie unschuldig.»

DNA-Beweis gegen Flugticket
Der zu Unrecht verurteilte Basler legte vor der ersten Instanz mehrere Beweise vor, die belegten, dass er zum Tatzeitpunkt vier Flugstunden von der Audi-Garage entfernt war: in den Ferien in Griechenland. Das bezeugten seine Begleiter, ein Flugticket sowie ein Mietautovertrag. Die Strafrichter erkannten darin jedoch Details, die Ungereimtheiten vermuten liessen. Deshalb gewichteten sie den Beweis der Wissenschaft höher.

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