Wie ein Schwelbrand frisst sich derzeit die Aussage des NZZ-Verwaltungsratspräsidenten Etienne Jornod durch die Politik, dass «Sondierungen bei wichtigen liberalen Persönlichkeiten» ein «positives Bild der Kandidatur Somm» für die NZZ-Chefredaktion gezeichnet hätten.

«Es wäre bedenklich, wenn tatsächlich namhafte FDP-Exponenten mit der Wahl von Somm einverstanden gewesen wären», sagt BDP-Präsident Martin Landolt, der dem Widerstand gegen BaZ-Chefredaktor Markus Somm «grössten Respekt» zollt: «Mit der Distanzierung von Somms Gesinnung und der Absage an den ‹Freisinn blocherscher Prägung› hat die NZZ-Redaktion Mut und Rückgrat gezeigt.» Auch der Zürcher FDP-Kantonsrat Beat Walti, der pikanterweise mit NZZ-Verwaltungsrat Christoph Schmid in der Anwaltskanzlei Wenger & Vieli zusammenarbeitet, kann sich keinen Reim machen auf den angeblichen liberalen Support für Somm: «Gerade unter den aktiven Exponentinnen und Exponenten haben sich viele ungläubig die Augen gerieben, als der Name Somm auftauchte.»

gar Als bedenklich wertet der Zürcher Nationalrat Hans-Peter Portmann die Gerüchte, dass aktive FDP-Politiker sich für Somm eingesetzt haben sollen. «Ich hätte mich aus Respekt vor der Unabhängigkeit der Zeitung aus derartigen Gesprächen herausgehalten», sagt Portmann.

Nachdem die Somm-Kandidatur für den NZZ-Chefposten publik wurde, kolportierte der «Tages-Anzeiger» aus Aktionärskreisen, der NZZ-Verwaltungsrat habe in Sachen Somm unter anderem mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz und FDP-Präsident Philipp Müller Kontakt gehabt. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» nennen NZZ-Quellen neben Privatbankier Konrad Hummler den Zürcher FDP-Stadtrat und früheren BaZ-Verwaltungsratspräsidenten Filippo Leutenegger sowie Robert Nef, Präsident des «Liberalen Instituts». Anfragen dazu bei den Genannten blieben unbeantwortet.

Ins Gerede geraten in der Causa NZZ primär zwei FDP-Exponenten: Präsident Müller, dem das beharrliche Schweigen zu den Vorgängen parteiintern als implizite Bestätigung für seine Kontakte mit dem NZZ-Verwaltungsrat ausgelegt wird. Historiker und FDP-Mitglied Georg Kreis fragte diese Woche in seiner «Nordwestschweiz»-Kolumne zum Somm-Manöver bei der NZZ: «Hat FDP-Präsident Philipp Müller, der die SVP bekämpfen will, indem er selbst SVP-Politik macht, diese Lösung begrüsst?» Müller sagte dazu auch gestern Samstag nichts.

Fragen wirft weiterhin die Rolle von FDP-Ständerätin und NZZ-Verwaltungsrätin Karin Keller-Sutter auf. Aus PR-Kreisen mit NZZ-Mandat wird herumgeboten, sie habe sich mit der Unterstützung der Kandidatur Somm SVP-Stimmen für die nächste FDP-Vakanz im Bundesrat sichern wollen. Auf Anfrage sagt Keller-Sutter, Verwaltungsratsmitglieder dürften über Jornods offiziellen Verlautbarungen hinaus «keine weitergehenden Auskünfte erteilen».

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