Die jungen Menschen zieht es in die Städte. «Nicht nur für Ausbildung und Jobs sind die Städte attraktiv, sondern sie bieten häufig auch kulturell viel», sagt Soziologe und Altersforscher François Höpflinger.

Die Folge: überdurchschnittlich viele überalterte Dörfer in den Bergen und auf dem Land. Wie neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, leben in den Regionen Goms VS, Pfannenstiel ZH, Surselva GR, Thun BE, Val-de-Travers NE oder im Glarner Hinterland prozentual besonders viele Senioren (siehe Grafik). Dort beträgt der sogenannte Altersquotient schon heute über 35. Das heisst: Auf 100 Erwerbstätige kommen mehr als 35 Senioren. Ganz anders sieht es in den Städten Zürich, Nyon oder Zug aus. Dort liegt der Altersquotient bei weniger als 25.

«Diese regionalen Unterschiede werden noch weiter zunehmen», prognostiziert Höpflinger. «Während die Städte von jungen Zuzügern aus dem In- und Ausland profitieren, erleben ländliche Gebiete eine starke Abwanderung von Arbeitskräften.» Noch vor ein paar Jahrzehnten war es genau umgekehrt. In den 70er-Jahren zogen viele junge Familien von einer Stadt aufs Land und verwirklichten sich im Mittelland den Traum vom Einfamilienhaus. Doch die Kinder dieser Familien zogen in den vergangenen Jahren wieder in die Städte. Sei es wegen eines Jobs, um zu studieren oder um eine eigene Familie zu gründen.

Nochmals stärker von Abwanderung betroffen als die ländlichen Regionen sind die Berggebiete – insbesondere in den Kantonen Graubünden, Jura und Wallis. Ziehen die Arbeitskräfte weg, wird es umso schwieriger, die steigenden Kosten zu decken. Und diese nehmen zu, je älter die Bewohner sind. Denn es müssen Alters- und Pflegeheime gebaut werden. Das ist Sache der Gemeinden. So wird sich gemäss einer Studie des Bundes zwischen 2009 und 2060 der Anteil der Ausgaben für die Langzeitpflege am BIP verdreifachen. «Das bringt die ländlichen Regionen in starke finanzielle Schwierigkeiten», sagt Altersforscher Höpflinger. Es gebe daher immer mehr Gemeinden, die fusionieren müssen, um die Alterspflege auszubauen und die Kosten der Langzeitpflege tragen zu können.

Für Höpflinger steht fest: «Es sollte das Ziel aller Kantone sein, dass die Menschen so lange wie möglich selbstständig zu Hause leben können.» In Städten zeige sich, dass 74-Jährige heute die gesundheitliche Verfassung von 50-Jährigen haben. «Darauf sollten wir aufbauen.»

Ein Kanton, der von der Zuwanderung von jungen Schweizern, aber auch Ausländern profitieren kann, ist Zug. Trotzdem ist Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard (Grüne) überzeugt: «Auch im Kanton Zug ist mit einer starken Zunahme der hochaltrigen Menschen zu rechnen. Umso wichtiger ist es, die Frauen und Männer auch nach 65 für die Gesellschaft nutzbringend einzusetzen.»

Die Schweiz ist mit einer doppelten demografischen Alterung konfrontiert: weniger Kinder pro Familie und längeres Leben. 2020 sind rund 1,7 Millionen Menschen über 65 Jahre alt. 2060 wohl mehr als 2 Millionen. Das bringt insbesondere die AHV in arge Nöte. Während die Zuwanderer und die gute Wirtschaftslage lange geholfen haben, die AHV im Lot zu halten, hatte sie 2014 erstmals seit 1999 weniger eingenommen als ausgegeben.

Heute machen die über 65-Jährigen im Verhältnis zu den Erwerbstätigen 28,4 Prozent aus. Doch dieses Verhältnis ändert sich. Bereits in fünfzehn Jahren beträgt der Altersquotient 43 und steigt bis 2060 auf 53. So die Prognosen. Dann stehen einem Rentner nur noch zwei Erwerbstätige gegenüber. Noch in den 1970er-Jahren hatten fünf Arbeitende für einen Senior aufzukommen.

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