Die seltsamen Freunde des neuen Nati-Trainers

Vladimir Petkovic bei seinem letzten Auftritt als Lazio-Trainer am 22. Dezember in Verona: Der künftige Nati-Coach wurde gestern entlassen. Foto: Getty Images

Vladimir Petkovic bei seinem letzten Auftritt als Lazio-Trainer am 22. Dezember in Verona: Der künftige Nati-Coach wurde gestern entlassen. Foto: Getty Images

Mehrere Fussballnati-Stars waren gegen Vladimir Petkovic.

Anfang Woche wurde er als Nachfolger von FussballnatiCoach Ottmar Hitzfeld für die Zeit nach der WM vorgestellt. Gestern wurde er per sofort von Lazio Rom entlassen. Nun steht die Frage im Raum: Wie kam der zuletzt eher erfolglose Vladimir Petkovic (50) zum prestigeträchtigen Job des Nati-Trainers – und wie unabhängig kann er ihn ausführen?

Recherchen zeigen, dass Petkovic eng mit der italienisch-schweizerischen Spieleragenten-Familie Fioranelli vernetzt ist. Diese wurde im September 2013 von der italienischen Börsenaufsicht gebüsst. Vinicio Fioranelli ist ein alter Bekannter des Schweizer Fussballnati-Delegierten Peter Stadelmann, der sich starkmachte für Petkovic als Nati-Trainer – während mehrere Spieler, darunter Valon Behrami, sich statt Petkovic den U21-Trainer Pierluigi Tami als Hitzfeld-Nachfolger wünschten. Stadelmann und Fioranelli machten früher gute Geschäfte. Etwa mit dem Fioranelli-Spieler Charles Amoah beim FC St. Gallen. Stadelmann kaufte den Ghanaer mit anderen privaten Investoren für 120 000 Franken. Später wurde Amoah für rund 4 Millionen Euro weiterverkauft.

Fioranelli war es, der den jungen Vladimir Petkovic einst in Sarajewo entdeckte und 1987 in die Schweiz vermittelte. Seither kam es immer wieder zu Verbindungen. 2012 lotste Fioranelli den kroatisch-schweizerischen Doppelbürger Petkovic von Sion zu Lazio Rom. Dort beschäftigt Petkovic den Fioranelli-Sohn Jesse. Bei Lazio spielt auch der bosnische Mittelfeldspieler Senad Lulic, der von den Fioranellis vertreten wird. Lulic war davor mit dem Trainer schon bei Bellinzona und YB aktiv.

Der Nati-Delegierte Peter Stadelmann bestreitet, dass die Fioranellis bei der Anstellung Petkovics mitgewirkt hätten: «Wir traten direkt mit Vladimir Petkovic in Kontakt», sagt Stadelmann.

Die Fioranellis teilen mit: «Herr Petkovic ist und war nie in irgendeiner Form an Vinicio Fioranelli oder an eine Firma, an der dieser beteiligt war, vertraglich gebunden. Vladimir Petkovic war und ist ein guter Bekannter von uns, auf die Freundschaft sind wir stolz und gratulieren von ganzem Herzen zur Wahl.» Die Fioranellis schliessen indes nicht aus, dass Sohn Jesse dereinst für den SFV tätig sein könnte.

Petkovic wird aus Rom den Assistenz- und Konditionstrainer mitbringen. Der langjährige Hitzfeld-Assistent Michel Pont muss gehen.

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