Es war am Dienstag, den 26. Februar, als die 33-jährige Schweizer Lehrerin nach einem Jahr freikam. Im März 2012 war sie von Terroristen in Jemen entführt worden. Nur 17 Tage später, am 15. März, beschloss das Aussenministerium, seine letzten Behördenvertreter aus Jemen abzuziehen. Es betrifft zwei Schweizer, die in der Hauptstadt Sanaa für das Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) gearbeitet hatten. Das Büro war erst 2011 eröffnet worden.

Das Aussenministerium bestätigt den Entscheid, den es bislang nicht kommuniziert hat. «Die Sicherheitslage in Jemen ist sehr unstabil und wird vom EDA regelmässig evaluiert», sagt Sprecher Pierre-Alain Eltschinger. Auf dieser Basis habe die Direktion Humanitäre Hilfe entschieden, die zwei Schweizer «provisorisch zurückzuziehen». Eltschinger: «Zurzeit befindet sich kein Mitarbeiter der Eidgenossenschaft in Jemen.»

Schon ein Blick auf die EDA-Reisehinweise zu Jemen deuten darauf hin, für wie prekär man die Situation in Jemen hält. «Von Reisen nach Jemen und von Aufenthalten jeder Art wird abgeraten», heisst es da. «Das EDA empfiehlt Schweizer Staatsangehörigen, die sich in Jemen aufhalten, das Land zeitweilig zu verlassen. Beachten Sie dabei die Anordnungen der lokalen Behörden und die erforderlichen Vorsichtsmassnahmen.» Ob sich noch Schweizer in Jemen aufhalten und wie viele es sind, will das EDA nicht kommunizieren. «Aus Sicherheitsgründen macht das EDA keine Angaben zu Schweizer Staatsangehörigen, die in Jemen registriert sind», sagt Eltschinger.

Die Angst vor weiteren Entführungen ist offensichtlich gross. «Die Zahl der Entführungen und Entführungsversuche ist hoch; das Risiko besteht im ganzen Land», heisst es in den EDA-Reisehinweisen. «Bei den Entführern handelt es sich um Stammesangehörige oder, immer häufiger, um terroristische Gruppierungen.» Als Entführungsopfer betroffen seien «einheimische Personen, ausländische Touristen, Sprachstudenten sowie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ausländischen Firmen». Zudem bestehe im ganzen Land das «Risiko von terroristischen Akten». Seit 2007 komme es wiederholt zu Anschlägen auf Ausländer und ausländische Einrichtungen. So wurden im März 2012 ein amerikanischer Lehrer und im Dezember 2012 ein saudischer Diplomat erschossen. «Betroffen sind unter anderem auch von Touristen besuchte Sehenswürdigkeiten», heisst es in den Reisehinweisen.

Jemen ist eines der ärmsten Länder auf der Arabischen Halbinsel. Seit dem 7. März 2013 ist die Schweiz Mitglied der Gruppe «Freunde des Jemen», die rund 30 Länder und verschiedene Organisationen umfasst. Sie unterstützt den politischen Übergangsprozess. Am Treffen der Gruppe in London hatte Aussenminister Didier Burkhalter betont, die Schweiz stelle zwischen 2012 und 2014 rund 20 Millionen Franken für die politische Stabilisierung und die Verbesserung der humanitären Lage bereit.

Diese Hilfe sei, trotz des Abzugs der Schweizer Deza-Mitarbeiter, nicht gefährdet, betont man im EDA. «Wir haben noch zehn lokale Vertreter vor Ort«, sagt Kommunikationschef Jean-Marc Crevoisier. Vor allem das Unicef-Programm zur Wasserversorgung ist für die Hauptstadt Sanaa von entscheidender Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass Sanaa ohne dieses Programm schon in zehn Jahren kein Wasser mehr haben wird.

Recherchen lassen die Vermutung zu, der Abzug der Schweizer Deza-Vertreter könnte damit zu tun haben, dass für die Freilassung der Schweizerin Geld gezahlt worden sei. Nicht direkt, sondern via das Emirat Katar, das laut EDA «ausserordentliche Anstrengungen» für die Befreiung der Lehrerin unternommen hat. Das habe das Entführungsrisiko erhöht. Crevoisier dementiert entschieden: «Die Schweiz hat weder direkt Lösegeld bezahlt noch indirekt an Katar.»

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