Diebe und Betrüger haben das Internet längst entdeckt und tricksen ihre Opfer mit falschen E-Mail-Adressen und fingierten Angeboten aus. Nun intensiviert auch die Polizei ihre Ermittlungen im Netz. Dies geht aus neuen Zahlen von Google hervor. Seit der Internet-Gigant seinen Transparenz-Bericht im Jahr 2011 zum ersten Mal veröffentlichte, trafen noch nie so viele Anfragen von Behörden aus der Schweiz ein wie im vergangenen Jahr.

2014 stellten hoheitliche Stellen der Schweiz 249 Auskunftsersuchen. 2011 waren es noch weniger als die Hälfte. Das Instrument der Datenabfrage bei Google wird für die Strafverfolgung immer wichtiger, bestätigt Myriam Stucki, Informationsbeauftragte des Bundesamts für Polizei (Fedpol).

Allerdings gibt Google weniger Daten heraus, als den eidgenössischen Ermittlern lieb ist. 36 Prozent der Anfragen wurden im letzten Halbjahr abgelehnt. Damit bewegt sich die Erfolgsquote von Abfragen aus der Schweiz leicht unter den Werten von 2011. Im internationalen Vergleich liegen die Schweizer Ermittler vor den Deutschen, die mit 47 Prozent der Gesuche abblitzten, aber hinter Holland, das bei 81 Prozent seiner Gesuche Benutzerdaten erhielt.

Google betont, dass seine Rechtsabteilung jede Anfrage juristisch prüft und allenfalls zurückweist. Falls dem Gesuch stattgegeben wird, versucht Google, den Umfang der preiszugebenden Daten zu verkleinern. Fragen Behörden etwa nach den gesamten Daten, der mit Google verbundenen Konten und Dienste (Youtube, Android, Gmail, etc.), setzt sich der US-Konzern laut eigenen Angaben dafür ein, dass nur Daten geliefert werden, die unmittelbar der Strafverfolgung dienen.

Das Bundesamt für Polizei ist trotz tendenziell abnehmendem Erfolg der Anfragen aus der Schweiz zufrieden. «Fedpol pflegt mit Google einen konstruktiven Dialog», sagt Stucki. Nicht offengelegt wird im Transparenzbericht, bei welchem Verdacht die Polizei sich an Google wendet. Es dürfte sich in der Mehrzahl um Betrugsfälle handeln. Denn mehr als die Hälfte der 28 Anfragen, welche das Fedpol im laufenden Jahr gestellt hat, betreffen Betrug, wie das Fedpol auf Anfrage offenlegt. Es wurden zudem in Fällen von Extremismus, Kinderpornografie oder Schreckung der Bevölkerung Daten angefordert.

Bei den Betrugsfällen handelt es sich um Schummeleien bei Online-Auktionen, falsche Kleinanzeigen oder betrügerische Angebote auf Immobilien-Plattformen. Auch bei Fällen von Romance-Scam gelangte das Fedpol schon an Google. Romance-Scam liegt vor, wenn Betrüger auf Datingseiten mit ihren Opfern anbandeln, um an ihr Geld zu kommen. Im Google-Transparenzbereich dürften auch die Anfragen des Nachrichtendiensts des Bundes aufgeführt sein, der aber keine Stellung nehmen wollte.

Neben Nachrichtendienstlern und Polizisten stellen auch Private Gesuche an Google, etwa um Websites aus der Google-Suche auszuschliessen. Aus der Schweiz gingen 7340 Ersuche ein. Die Gesuche betrafen knapp 25 000 Webadressen. Seit einem Urteil des europäischen Gerichtshofs vom Mai 2014 räumt Google auch Schweizer Nutzern das Recht auf Vergessen ein. So können etwa Personen, die auf News-Seiten irrtümlicherweise eines Deliktes bezichtigt wurden, diese Seiten von einer Google-Suche zur eigenen Person ausschliessen lassen.

Bei mehr als der Hälfte der Gesuche aus der Schweiz gewichtete Google die Informationsfreiheit aber stärker und lehnte eine Löschung ab.

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