Es war die grosse Inszenierung der Réduit-Schweiz: Mit den «Diamant»-Feierlichkeiten 1989 beging die offizielle Schweiz den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und würdigte die Generation der Soldaten, die in der Armee gedient hatten. Heute, 75 Jahre nach Kriegsbeginn, rufen die letzten verbliebenen Aktivdienstler zum Gedenkanlass auf. Seinen Dank aussprechen wird dort Bundesrat Ueli Maurer: «Das schulden wir dieser Generation.» Ohne die damaligen Soldaten wäre die Schweiz nicht, was sie heute sei.

Die Worte Maurers werden die Aktivdienstler gerne hören – doch der Geist von 1989 ist längst verflogen. Als Säule der Schweizer Identität hat die Armee selbst im bürgerlichen Lager ausgedient, das Geschichtsbild von der Schweiz als Insel der Widerständigen, die nur aufgrund von Volk, Armee und General vom Krieg verschont blieb, geriet ins Wanken. Dagegen wehren sich jene, die noch vor 25 Jahren gefeiert wurden. «Mit der immer kleiner werdenden Gruppe der Aktivdienstgeneration schwindet auch ein Stück der Erinnerung», sagt Hans Ruedi Schaffhauser, Präsident der Aktion Aktivdienst: «Das darf nicht passieren.»

Erstmals an die Öffentlichkeit tritt Henriette Stückelberger (69), die Enkelin von Eduard von Steiger, dem umstrittenen Justizminister im Zweiten Weltkrieg. «Die Öffentlichkeit und die Medien haben ein falsches Bild von ihm», seien einseitig informiert, sagt Stückelberger. «Sie lasten die ganze Problematik um die jüdischen Flüchtlinge meinem Grossvater an, obwohl schon vieles vorgespurt war, als er 1941 ins Amt kam.» Er sei «sehr gütig, menschlich und verständnisvoll für Minderheiten» gewesen.

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