So manche Eltern machen dieser Tage wieder die Erfahrung: Das Kind kratzt und kratzt sich am Kopf, und auch ein Bad und ein frischer Satz Kleider lösen das Problem nicht. Wenn die Diagnose Kopfläuse dann feststeht, gilt es, regelmässig ein öliges Mittel in die Haare zu schmieren und die Haare mit einem Lauskamm nach den ekligen Parasiten zu durchkämmen.

Die Lausplage scheint derzeit zu grassieren. Das zeigt der hohe Verbrauch an Gegenmitteln, sogenannten Pedikuloziden, an, den die Apotheken registrieren. In der Apotheke Schaffhauserplatz in Zürich hat man in den letzten Wochen schon sehr viel davon verkauft. Bereits mehr als letztes Jahr, wie die Pharmaassistentin Manuela Amsler auf Anfrage sagt. Serina Wittwer von der Länggass-Apotheke in Bern hält fest, dass dieses Jahr besonders viele Anti-Laus-Packungen über den Ladentisch gingen. Zunehmend gut verkaufen sich darüber hinaus Präventionsmittel wie etwa Weidenrinden-Shampoo der Firma Rausch.

Der Absatz des vorbeugenden Mittels ist wohl nicht ganz zufällig, denn es wird von Betreuungsinstitutionen empfohlen. Wie wirkungsvoll solche Präventivmittel sind, ist allerdings umstritten. Gemäss der Laus-Expertin Christina Ruob, die den Schulärztlichen Dienst Zürich in Lausfragen berät, ist die Wirksamkeit der meisten Prophylaxemittel nicht belegt, auch die des Weidenrinden-Shampoos nicht. Die Forschung zeige: Im besten Fall schadeten die Mittel nicht.

Dass die Lausplage trotz allen Gegenmassnahmen nicht verschwindet, liegt daran, dass der Befall mit Läusen nichts mit der Hygiene zu tun hat. Auch wenn sich viele Kinder und Eltern heute noch schämen: Wir sind doch nicht «verlaust»! Die Kopflaus-Fälle sind insgesamt seit Jahren konstant, wie die Leiterin des Schulärztlichen Dienstes beim Zürcher Volksschulamt erklärt. Nach den Sommerferien gebe es oft eine Häufung, weil die Kinder über den Sommer in Lagern seien und engeren Körperkontakt hätten.

Die Läuse sind zwar nicht auszurotten. Doch ihre Verbreitung kann mit den Pedikuloziden wirksam gestoppt oder wenigstens eingeschränkt werden. Dazu ist es allerdings nötig, dass alle bereits befallenen Personen behandelt werden, bevor sie weitere Personen «anstecken» können. Und dass bei den Schulkindern die bekannten Fälle unverzüglich der Schulleitung gemeldet werden. Das Volksschulamt rät den Schulgemeinden, Fachpersonen, die sogenannten Laustanten, in die betroffenen Schulklassen zu schicken, um schnellstmöglich alle Fälle zu entdecken und die Eltern zu instruieren, wie sie die Parasiten wieder loswerden.

Trotzdem hat die Stadt Zürich Ende letzten Jahres beim Schulärztlichen Dienst die Stelle der Laustante gestrichen, die jeweils die Klassen besuchte und den Kindern die Kopfhaut abtastete. Proteste vonseiten der Lehrerschaft wurden damals laut. Auch Laus-Expertin Ruob bedauert den Entscheid. «Das Coaching der Eltern ist das Allerwichtigste», sagt sie. Die Laus-Zahlen der Stadt Zürich seien sehr tief gewesen. Das könnte sich nach der Abschaffung der Laustante nach und nach ändern.

Was sind die Auswirkungen dieser Entscheidung für die Laus-Saison dieses Jahres? Bei der Stadt Zürich kann man nicht beurteilen, ob es heute mehr oder weniger Läuse gibt: «Seit der aufsuchende Lausfachdienst des Schulärztlichen Dienstes eingestellt wurde, können wir keine Zahlen mehr erheben und damit auch keine zahlenbasierten Vergleiche anstellen», sagt die Kommunikationsbeauftragte Martina Steinhauser. Die telefonische Laussprechstunde», die weiterhin besteht, werde genutzt. In der Zeit nach den Sommerferien klingle es etwas öfter.

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